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Unter Angst und Depression - Diagnose Krebs

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Inhalt:
November 14, 2014
Christian Endres

Unter Angst und Depression – Diagnose Krebs

Die Diagnose Krebs kommt meist unverhofft und trifft die Betroffenen und deren Angehörige wie einen Schlag. Was hat das nun zu bedeuten? Was wird jetzt geschehen? Muss ich vielleicht sterben? Wie kann man mir helfen? Die Menschen stehen nun oft vor einer Wand, wissen nicht was sie tun sollen und die Angst hüllt den Menschen mehr und mehr ein. Handelt man nicht gegen diese Ängste, kann die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinflusst werden. Doch es gibt Möglichkeiten aus diesem inneren Tief hinaus zu steigen und sich dem Kampf gegen den Krebs zu widmen.

Angst als normale Reaktion

Wenn man mit etwas Neuem und Unbekanntem konfrontiert wird ist die normalste Reaktion Angst. Es ist nichts alltägliches, man kennt sich damit nicht aus und wird einfach in eine neue Situation „geschupst“ – die erste Fahrprüfung, ein neuer Job oder die Geburt des ersten Kindes.
Doch die Angst vor einer Krankheit und dem Tod von geliebten Familienmitgliedern ist meist die größte, die uns in unserem Leben begegnen wird. Gerade nach der Diagnose Krebs kann Angst ein normales Gefühl sein, was die Betroffenen ereilt – sei es die Angst vor der Krankheit allgemein, die Angst vor dem Tod, den mitunter schmerzlichen Therapien, dem ungewissen Krankheitsverlauf oder der Angst, dass der Krebs nach anfänglicher Heilung wieder auftauchen kann. Dabei soll in diesem Zusammenhang ganz klar hervorgehoben werden, dass diese Ängste keinen nachweisbaren Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung, der Heilung oder dem Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors) hat. Wenn sich allerdings Angst-, Panikstörungen oder sogar Depressionen entwickeln, können diese Faktoren einen starken und vor allem negativen Einfluss auf die Lebensqualität haben.

Symptome der Angst

Es beginnt mit Mundtrockenheit, Schmerzen und Engegefühl im Brustkorb, Herz- und Pulsrasen oder einer leichten Übelkeit. Irgendwann wird man immer nervöser und gereizter, kann sich schwer konzentrieren, ist oft erschöpft, fühlt sich unsicher, leidet unter Schlafstörungen und verfällt in ein ständiges Grübeln über die Zukunft bis mitunter Panik ausbricht. Obwohl diese Symptome nicht permanent vorhanden sind, tauchen sie in bestimmten Situationen auf, wie vor, während oder nach einer Kontrolluntersuchung und können für den Beteiligten so unterschiedliche Dimensionen annehmen, die ein Außenstehender nicht immer nachempfinden kann. Viele Patienten fühlen sich der Krankheit ausgeliefert und die sich verstärkenden Ängste können es noch schwerer machen die Krankheit angemessen zu verarbeiten. Obwohl die Angst vor Krebs berechtigt ist, da jedes Jahr rund 500.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs erkranken und 221.000 an den Folgen sterben, darf die Angst nicht das eigene Leben bestimmen.

Wie man aktiv mit der Angst umgehen kann

Fakt ist, dass jeder Mensch anders mit seiner Angst umgeht. Aufgrund eigener und persönlicher Lebenserfahrungen in verschiedenen Krisensituationen, gibt es allerdings keine allgemeingültigen Regeln wie man der Angst entgegentritt und sie bewältigt. Der erste und wichtigste Schritt ist das Eingeständnis, dass man Angst hat. Dann ist es wichtig herauszufinden, in welchen Situationen sich die Angst äußert, welche Symptome eintreten und in welcher Gewichtung sie empfunden werden. Es ist dabei von besonderer Wichtigkeit, dass man lernt über seine Angst zu reden – ob mit der Familie oder mit einem Arzt. Dadurch kann man sich seiner Last oftmals ein wenig entledigen und es hilft zudem festgefahrene Sichtweisen und Ängste zu lockern. Viele Krebspatienten machen sich auch Sorgen wegen ihrer Familie und ihren Freunden – wie diese die Nachricht aufnehmen und verarbeiten. Daher sollte man Kontakt zu nahestehenden Personen aufnehmen und mit ihnen über die weitere Zukunft sprechen. Viele erleben dies als verständnisvolle Unterstützung, was wiederum dazu führen kann, dass derjenige weniger Angst hat. Eine andere Möglichkeit besteht darin, seine Gefühle auszudrücken. Oftmals entsteht mit der Angst auch Wut, welche ohne „Ventil“ schnell zu ernsteren Problemen wie Depression u.ä. führen kann. Als Ausgleich kann man sich seinem Hobby widmen, neue Freizeitaktivitäten suchen oder sich ruhige Momente gönnen, die einen wieder ins Gleichgewicht bringen können. Dazu gehört unter anderem Malen, verschiedene Sportaktivitäten, Handarbeiten oder aber einfach seiner Lieblingsmusik lauschen. Dadurch schafft sich der Betroffene Ablenkung und erhält auch den manchmal nötigen Abstand von der Krankheit. Es sollten vermehrt die schönen Dinge des Lebens in den Vordergrund gerückt werden, worunter natürlich auch Erlebnisse zählen, die einen glücklich machen, wie Zeit mit seiner Familie und den Freunden.
Eine weitere und manchmal auch sehr wichtige Möglichkeit mit seiner Angst umzugehen, ist der Kontakt zu anderen Erkrankten. Erfahrungsaustausch kann in vielen Situationen von enormer Bedeutung sein – Ängste können gemindert werden, andere Therapiemöglichkeiten können entdeckt werden, an die man vorher noch nicht gedacht hat oder aber man tauscht sich einfach über gemeinsame Gefühle aus, die man sonst mit keinem anderen teilen möchte. Weiterhin ist es für viele Patienten wichtig stets zu dem Thema oder seiner Krankheit informiert zu sein. Dieses Wissen kann ebenfalls Ängsten entgegenwirken, da man über neue Studien, Methoden oder Zahlen und Fakten Bescheid weiß. Bei dem nächsten Termin mit dem Arzt kann man sich mit diesem austauschen und über weitere Möglichkeiten sprechen – ob vor, während oder nach der Diagnose. Die meisten Krebspatienten, die ihre Krankheit überstanden und erfolgreich bekämpft haben, sind auch Jahre danach noch immer auf dem neuesten Stand – seien es neue Therapiemöglichkeiten, Ernährungstipps, Medikamente oder auch homöopathische bzw. alternative Heilmittel. Das ständige informiert sein beruhigt die Seele und schafft bei den Betroffenen eine innere Ruhe mit der es ihnen möglich ist ihre Angst zu bekämpfen.

Krebs ist bis heute eine der schlimmsten und unberechenbarsten Erkrankungen, doch man darf oder sollte davor nicht die Augen verschließen. Lässt man zu, dass seine Ängste die Kontrolle über sein Leben und seine Krankheit übernehmen, kann dies ungeahnte Folgen haben. Daher sollte man aufstehen, den Staub von der Kleidung schütteln und sich für den weiteren und wahrscheinlich harten Weg bereit machen. Und obwohl einem viele Steine in den Weg gelegt werden, sollte man immer daran denken: Du bist nicht allein!

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