Das Geschäft mit der Krankheitsangst – Impfen als Glaubenssache?

Heute ist Impfen nicht mehr eine Frage von dem, was man sich leisten kann. Gesetzliche Krankenkassen sind dazu verpflichtet die empfohlenen Impfstoffe zu bezahlen. Es ist also keine Frage mehr danach, ob man sich impfen lassen kann. Aber jetzt taucht ein anderes Problem auf. Will man überhaupt geimpft werden und seine Kinder impfen lassen? Für Kinder steht nämlich bis zum 18. Lebensjahr eine Liste von Impfungen gegen 13 verschiedeneKrankheiten auf dem Plan.1 Nicht nur, dass man da schnell den Überblick verliert; viele fragen sich auch, ob das denn wirklich notwendig ist.

Was für das Impfen spricht

Die Befürworter von Impfungen argumentieren hier natürlich mit den Vorteilen. Man stecke sich nicht mit den Krankheiten an und könne so gefährliche Folgen eines Krankheitsverlaufes verhindern. Gegen das Argument der Impfgegner, die Krankheiten vor denen man sich schütze, treten nur sehr selten auf und verliefen meist nicht weiter schwer, halten sie dagegen. Denn die flächendeckende Ansteckung mit Krankheiten wie Masern oder Mumps könnte nur vermieden werden, da eine Herdimmunität besteht. Das heißt, durch die Immunisierung der Geimpften können auch diejenigen mitgeschützt werden, die selber nicht geimpft sind. Wenn nun aber immer mehr Eltern darauf verzichten ihre Kinder impfen zu lassen, kann diese Herdimmunität nicht mehr greifen. Es wird vor Epidemien gewarnt, besonders in Kindergärten und Schulen. In Amerika wurde als Gegenmaßnahme hierzu nun “No Shots – No School” begründet, die ungeimpften Kindern die Aufnahme an Schulen erschwert (es sind Ausnahmen aus medizinischen oder religiösen Gründen möglich).2 Aber ist das der richtige Weg?

Was gegen das Impfen spricht

Impfgegner hängen sich an dieser Maßnahme nun auf. Denn die Impfpflicht, die da gefordert wird, ist in ihren Augen eine Einschränkung der Grundrechte. Eines ihrer Hauptargumente ist, dass die Pharmaindustrie die Angst vor Krankheiten als emotionales Druckmittel nutzt, um so Unsummen an Geld zu verdienen. Und dies auch noch auf Kosten der Ängstlichen und Leichtgläubigen. Sie zitieren Artikel nach denen geimpfte Kinder mehr Allergien haben, anfälliger für Infekte sind und häufiger an Autoimmunerkrankungen leiden als ungeimpfte Kinder. Die fehlenden Studien zu diesen Artikeln erklären sie damit, dass nur Pharmaunternehmen Studien zu Impfstoffen und deren Nebenwirkungen durchführen und so alle schlechten Ergebnisse direkt ausgefiltert werden. Bei ihnen scheint die Angst vor Krankheiten aufgrund der momentan wirksamen Herdimmunität nicht mehr gegeben zu sein und so halten sie das Risiko der Nebenwirkungen von Impfungen für zu hoch und verzichten auf den Pieks mit Medikamentenkeule.

Gerade die übereilten Impfaufrufe als Folge von Schweinegrippe & Co. und die unerforschten Langzeitwirkungen der Präparate rufen immer mehr Impfstoffgegner auf den Plan. Muss man nun jeder Impfung sofort hinterherlaufen? Jeder medialen Panikmache nachgeben? Hier ist längst jede wissenschaftliche Betrachtung verloren gegangen, denn für jeden vermeintlichen Fakt gibt es wieder eine Verschwörungstheorie und so ist die Frage „Impfen: Ja oder Nein?“ zur reinen Glaubenssache geworden.

Was ist mit Akut-Impfungen im Notfall?

Aber was ist in Notfällen? Nehmen wir als Beispiel einmal die Tollwut bzw. die Tollwutimpfung. Sollte man sich auch gegen eine Impfung weigern, wenn man von einem infizierten Tier gebissen wurde?
Tollwut ist eine Viruserkrankung, die zu einer Gehirnentzündung führt und fast immer tödlich endet. Sie wird durch den Speichel des infizierten Tieres übertragen und meist sind Kratzer oder Bisswunden die Infektionsherde. In Europa ist der Fuchs der Hauptüberträger, weltweit sind es Hunde, besonders wilde; inzwischen kommt es vermehrt zu Fällen in denen Fledermäuse Tollwut übertragen. Nach einer Infizierung sollte, wenn möglich innerhalb weniger Stunden eine Impfung erfolgen, um so die Verbreitung des Virus über die Nervenbahnen zu verhindern und die tödliche Krankheit aufzuhalten.3 Auch bei dieser Impfung kann es zu Nebenwirkungen kommen, häufig sind Schmerzen nahe der Einstichstelle, Fieber oder Magen-Darm-Beschwerden. Doch sollte man solche Nebenwirkungen nicht in Kauf nehmen anstatt mit dem Tod Russisch-Roulette zu spielen?

Doch die Grundschwierigkeit bleibt bestehen: Bei jeder Impfung gilt es das für und wieder von Nebenwirkungen gegen Nutzen abzuwägen, nicht nur auf die Verbreitung der Krankheit ausgerichtet, sondern auch dahingehend, welche Folgen die Krankheit haben könnte.


1 Impfkalender des Robert Koch Institut. In: https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Aktuelles/Impfkalender_Poster_dt.pdf?__blob=publicationFile (13.08.2015)
2 No Shots, No School, Not True. In: http://healthimpactnews.com/2014/no-shots-no-school-not-true-exemptions-available-in-all-50-states/ (13.08.2015)
3 Fact Sheet N°99 der World Health Organization. In: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs099/en/ (13.08.2015)