Hypnose für Olympia?

Es gibt bei der Olympiade in Peking einen Ausnahmeathleten, der bislang acht Goldmedaillen geholt hat: Michael Phelps. Damit hat er sogar seinen Landsmann Mark Spitz überholt, der 1972 in München sieben Mal Gold geholt hat. Soweit so gut, aber was hat das alles mit Hypnose oder Selbsthypnose zu tun?

Ist Ihnen bei Michael aufgefallen, dass er Ohrhörer in den Ohren hat, die er oft erst unmittelbar vor dem Wettkampf herausnimmt? Was meinen Sie, was er da hört? Witze? Einen Walzer oder die letzten (schockierenden) Nachrichten?

Sie und ich, wir wissen es nicht, aber eines steht fest: Ein Ausnahmeathlet wird man nicht, indem man nur den Körper trainiert. Über Sieg oder Niederlage entscheiden gerade im Spitzensport auch die mentale und emotionale Verfassung.

Ist Ihnen aufgefallen, wie häufig im Zusammenhang mit einem Sieg Kommentare kamen wie:
„Die Athleten waren von Ihren Leistungen gleichstark. Gewonnen hat der, der die stärkeren Nerven behalten hat.“ Oder
„Der Sieg ist im Kopf entschieden worden“.

Britta Steffen gewann Doppel-Gold über 50 und 100 Meter Freistil. Sie wurde gefragt, wann Sie die besten Leistungen erbringen kann. Ihre Antwort lautete etwa so: Durch die erste Goldmedaille stand ich nicht mehr so unter Leistungsdruck. Und: „Wenn ich mich wohl fühle und locker bin, dann kann was Gutes bei rauskommen.“

Kraft der Hypnose

Genau so wie mentale Entspannung Höchstleistungen ermöglicht, kann mentale Anspannung (die oft aus einer bewussten oder unbewussten Angst her rührt), den Körper so blockieren, dass sogar alltägliche Leistungen unmöglich werden.
Das glauben Sie nicht? Dann stellen Sie sich bitte einmal folgendes vor:
Sie legen ein 30 cm breites Brett auf den Boden und laufen darüber. Einfach, nicht wahr? Das können Sie sogar mit geschlossenen Augen.

Wenn sich das Brett einen Meter über der Erde befindet, werden Sie wahrscheinlich noch gut darüber kommen, aber es wird wahrscheinlich nicht mehr so spielerisch leicht sein. Was aber, wenn sich das gleiche Brett zehn Meter über dem Boden befindet? Für viele Menschen ist es dann völlig unmöglich, über dieses Brett zu gehen. Der Gedanke, was passieren könnte, wenn man herunter fällt, lähmt förmlich den Körper. Manche Menschen werden nicht einmal in der Lage sein, kriechend über das Brett zu gelangen.

Weil es so wichtig ist, wiederhole ich noch einmal: Der bloße Gedanke, dass etwas Schlimmes passieren könnte, lähmt den Körper und übrigens auch den Geist.

Bei dem Brett-Beispiel handelt es sich um bewusste Ängste. Man kann die Angst zuordnen. Häufig sind es aber unbewusste Ängste, die sich nicht einmal als Ängste zeigen müssen, sondern oft nur als Unruhe, Herzklopfen, körperliche Anspannung etc. manifestieren.

Die Gedanken steuern
Und genau hier kommen wieder Hypnose und Selbsthypnose ins Spiel. Mit deren Hilfe ist es möglich, die Ursache der Ängste aufzulösen und Körper und Geist zu entspannen. Das ist leicht möglich durch Suggestionen der Ruhe und Gelassenheit und durch Fokussieren der Gedanken auf ein positives Ergebnis. Man kann sich auch regelrecht auf einen Erfolg programmieren. Mentales Training für Sportler dient genau diesem Ziel. Mit Hilfe der Selbsthypnose ist die Programmierungskraft des Unterbewusstseins natürlich noch viel stärker.

Hypnose und Selbsthypnose helfen jedoch nicht nur Leistungsblockaden zu mindern und somit die Voraussetzungen zu verbessern, dass man sein Leistungsvermögen auch optimal ausschöpfen kann. Hypnose macht es auch möglich, deutlich höhere körperliche (und auch mentale) Leistungen zu erbringen.

Hypnotisierte sind in der Lage, ohne Anstrengung und Ermüdung einen Arm lange Zeit in der Luft zu halten, sehr viel länger als sie es ohne Hypnose könnten. Mehr noch, sie tun gar nichts, der Arm schwebt von alleine, ohne bewusste Kraftanstrengung. Könnte diese Fähigkeit für Leistungssportler von Nutzen sein?

Es ist kein Geheimnis, dass Elite-Athleten mentales Training anwenden, um Ihre Leistungen auf das nächst höhere Level zu heben. Hypnose ist wie ein Katalysator, der einerseits die Wirkung der verwendeten Methoden verstärkt, andererseits Wirkungen ermöglicht, die ohne Hypnose gar nicht möglich wären.

Von der Selbsthypnose können jedoch nicht nur Manager und Spitzensportler profitieren. Mit Hilfe der Selbsthypnose können auch Hobbysportler oder jeder Berufstätige sein Leistungsvermögen verbessern.

Eine ehemalige Patientin, die wegen einer anderen Problematik zu mir gekommen war, berichtete später, dass sie die Selbsthypnose benutzt hatte, um den Test für eine Aufnahmeprüfung für ein Sportstudium zu bestehen. Er bestand darin, zwei Minuten mit vorgehaltenen Armen in der 90 Grad Kniebeuge zu verweilen. Zuerst versuchte sie es ohne Hypnose. Sie berichtet: „Ich bin dann nach 50 Sekunden wirklich niedergebrochen, weil meine Oberschenkelmuskulatur dann doch nicht mitgemacht hat und hab’s dann noch mal mit der (Selbst)Hypnose versucht und habe es dann zwei Minuten und 15 Sekunden ausgehalten“.

1 Kommentar

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] einem früheren Blogpost (während der olympischen Spiele) wurde u. a. darüber gesprochen, dass mentale Aspekte die […]

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.