Tiefenhypnose, Somnambulismus, hypnotisches Koma, Esdaile-Zustand

Die meisten Therapeuten arbeiten mit leichter und mittlerer Hypnosetiefe. In vielen Hypnose- Fachbüchern kann man lesen, dass eine tiefe Hypnose nicht erforderlich sei. Gründsätzlich könne man alle Behandlungen auch in leichter bis mittlerer Trancetiefe erfolgreich durchführen. Bisweilen wird auch die Auffassung vertreten, dass eine leichte oder mittlere Hypnose die beste Tiefe sei, um therapeutisch arbeiten zu können.

Nach meinem Verständnis und nach meinen Erfahrungen ist für eine wirklich tiefgreifende und transformierende Therapie eine tiefe Hypnose anzustreben und auch notwendig. Gemeint ist der Zustand des „Somnambulismus“. Dabei handelt es sich um eine Hypnosetiefe, in der bestimmte Phänomene erzeugt werden können, wie Amnesie und Hypermnesie (Blockierung oder Aktivierung von Gedächtnisinhalten) oder auch Halluzinationen. Positive Halluzination bedeutet, der Hypnotisierte kann Dinge wahrnehmen, die in der Realität nicht vorhanden sind. Negative Halluzination bedeutet, der Hypnotiesierte kann Dinge nicht wahrnehmen, die real vorhanden sind. Beispiele für Phänomene der tiefen Hypnose finden Sie in den Videos auf meiner Hauptseite (www.hypnose-doktor.de) und in den Videos auf meiner Seminarseite (www.selbsthypnose-training.de).
Dave Elman, einer der besten Hypnotiseure und Hypnotherapeuten aller Zeiten, bezeichnete das Stadium des Somnambulismus als „working state“ (Arbeitszustand).

Mit Hilfe geeigneter Induktionstechniken (Methoden, eine Hypnose einzuleiten) und bei vorheriger Aufklärung über verbreitete Vorurteile zur Hypnose, ist es prinzipiell möglich, bei jedem Menschen eine tiefe Hypnose vom Stadium des Somnambulismus bereits in der ersten Sitzung herzustellen.

Tiefe Hypnosestadien sind absolut notwendig, wenn man permanente Heilung erreichen will. Wenn man nicht nur Heilungssuggestionen geben will, sondern auch die emotionalen Ursachen von Erkrankungen aufdecken und heilen will, ist die Hypnoanalyse die Methode der Wahl. Um sie nutzen zu können, ist die tiefe Hypnose eine unabdingbare Voraussetzung. Die von den meisten Therapeuten verwendete direkte Suggestionstherapie bewirkt nur temporäre Erfolge. Diese Art der Behandlung ist es, die der Hypnose das Vorurteil eingebracht hat, nur eine oberflächliche, „zudeckende“ Behandlung zu sein.
(Und dies ist kein ausschließlich „deutsches“ Problem. Ein befreundeter Amerikanischer Hypnotherapeut schrieb mir, dass von den 50.000 Hypnotherapeuten in den USA mehr als 98 Prozent die Hypnoanalyse nicht anwenden, sondern in leichten bis mittleren Hypnosen mittels Suggestionstherapie die Symptome behandeln, ohne die Ursache der Erkrankung zu eliminieren.)

Auch bei der Behandlung von Schmerzpatienten ist eine möglichst tiefe Hypnose anzustreben, also mindestens das Stadium des Somnambulismus. Im hypnotischen „Coma“ (auch Esdaile- Zustand genannt, weil der Patient nicht bewusstlos ist), tritt spontan eine vollkommene Schmerzunempfindlichkeit des ganzen Körpers ein (Anästhesie), im Gegensatz zur Analgesie in der mittleren Hypnose (Anhebung der Schmerzschwelle).
Für die Behandlung schwerster chronischer Schmerzzustände wird eine Tiefenhypnose angestrebt, die durch einen Schlüsselreiz auslösbar ist und als deren Wirkung sich eine posthypnotische Analgesie (Schmerzfreiheit) einstellt (Ablationshypnose). Der Patient ist dann in der Lage, die Hypnose und damit die Schmerzfreiheit jederzeit kurzfristig selbst auszulösen.

Für eine angenehme und vollkommen schmerzfreie Geburt beispielsweise ist eine tiefe Hypnose anzustreben. In dem sogenannten Koma-Zustand tritt eine vollständige Anästhesie des ganzen Körpers automatisch ein, ohne dass dazu Suggestionen erforderlich wären. Dies ist die Tiefe, in der nicht nur kleinere Eingriffe, sondern auch größere Operationen ohne Narkose und „nur“ in hypnotischer Anästhesie erfolgen können. Der Coma- oder Esdaile-Zustand geht im übrigen von allein in den noch tieferen katatonen Zustand über (Katatonie), in dem man die Arme, Finger etc. wie bei einer Wachsfigur in eine beliebige Position bringen kann, in der sie dann verbleiben.

Im hypnotischen Tiefschlaf erholt sich der ganze Organismus wesentlich schneller und tiefgreifender als im Nachtschlaf. Ich setze den Tiefschlaf (über mehrere Stunden) bisweilen bei Patienten ein, für die es wichtig ist, nicht nur die Ursachen aufzudecken und zu behandeln, sondern auch Erschöpfungszustände schnell zu überwinden und neue Energie zu tanken (Burnout).

Ein weiterer Vorteil der Tiefenhypnose ist, dass sie das Erlernen der Selbsthypnose wesentlich verkürzt. Man kann nach einer Sitzung die Hypnose sozusagen mit nach Hause nehmen. Das dies die Effektivität der Behandlung nachhaltig unterstützt, liegt auf der Hand.

Aus diesen Gründen arbeite ich in meinen Behandlungen ausschließlich mit Tiefenhypnose.
Entgegen der allgemeinen Auffassung kann eine tiefe Hypnose bei jedem Menschen erreicht werden, es sei denn, er hat Widerstände gegen die Hypnose oder Angst.