Leben Sie von der Hand in den Mund oder schöpfen Sie aus dem Vollen?

Als am letzten Sonntag meine Kinder zu Halloween von Haus zu Haus gezogen sind und voller Begeisterung „Süßes, sonst gibt’s Saures“ gerufen haben, fiel mir Folgendes auf. Mein 4-jähriger Sohn Hannes hat alle Süßigkeiten gleich in den Mund „gestopft“ und aufgegessen, während der 8-jährige Paul alles in einen Beutel packte und sammelte. Beide bekamen gleich viel. Am Ende war ich erstaunt, wie viel sich im Beutel von Paul befand. Er hatte soviel, dass er hinterher noch teilen konnte. Er gab seiner Mutter etwas ab und auch dem kleinen Bruder  Hannes. Und hatte immer noch genügend für sich übrig. Was hat diese kleine Geschichte mit Ihrem finanziellen Erfolg zu tun?

Frustrationstoleranz wirkt sich nachhaltig aus

Die Psychologie spricht in diesem Zusammenhang von Frustrationstoleranz. Gemeint ist die Fähigkeit, die Befriedigung eines Bedürfnisses zurückzustellen, die bei kleinen Kindern noch nicht ausgebildet ist. Wenn Sie vor der Wahl stehen, jetzt eine Kugel Eis zu bekommen oder morgen fünf, werden sie sich für die eine Kugel entscheiden, die sie jetzt sofort bekommen können.

Da sich diese Fähigkeit mit dem Heranwachsen der Kinder entwickelt, könnte man annehmen, dass sie bei Erwachsenen voll ausgeprägt ist. Wie oft entscheiden wir uns für eine sofortige Befriedigung, obwohl wir wissen, dass ein kurzfristiger Verzicht auf lange Sicht viel mehr für uns bringt.

Ähnlich wie der Umgang mit den Süßigkeiten meiner beiden Kinder verhält es sich beim Sparen. Wenn wir unser Geld immer gleich ausgeben, sind unsere Taschen immer leer. Wenn wir es anlegen, wird es sich im Gegensatz zu den Süßigkeiten noch vervielfältigen, so dass am Ende sehr viel mehr zur Verfügung steht.

Shoppen Sie gern? Folgen Sie beim Einkaufen oft Ihren Impulsen? Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Geld immer irgendwie ausgegeben wird, unabhängig davon, ob Sie mehr oder weniger zur Verfügung haben?

Wer seinen kurzfristigen Kaufimpulsen folgt, handelt in diesem Punkt ähnlich wie ein jüngeres Kind.

Hand aufs Herz, bauen Sie systematisch eine Kapitalanlage auf, die Sie nicht anrühren, und stecken dazu kurzfristig bei Kaufimpulsen zurück? Dann handeln Sie nicht nur klug, sondern Sie haben Ihre Frustrationstoleranz gut entwickelt. Sie werden langfristig viel mehr finanziellen Erfolg haben als andere.

Was machen Sie mit Ihrem Saatgetreide?

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Robinson Crusoe, der allen bekannte Schiffbrüchige aus dem gleichnamigen Roman von Daniel Defoe, der viele Jahre als einziger Mensch auf einer Insel verbrachte, fand in einer Jacke ein paar Getreidekörner. Er hätte sie aufessen können und es wäre noch nicht einmal ein halber Haps gewesen. Stattdessen war seine Frustrationstoleranz hoch genug, dass er die Körner nicht sofort aufaß, sondern diese aussäte und so bereits im nächsten Jahr eine ganze Hand voll Getreidekörner hatte. Nach dem dritten Jahr erntete er so viel, dass er sich von den Körnern ernähren konnte und obendrein noch genügend Saatgetreide hatte für das nächste Jahr.

Wenn Sie mit Ihrem Geld überwiegend kurzfristige Bedürfnisse befriedigen, die übrigens in hohem Maße von der Werbung gesteuert werden, und keine systematische Anlagestrategie verfolgen, dann essen Sie Ihr Saatgetreide auf.

Denken Sie einmal darüber nach, wie oft Sie beim Geld ausgeben spontanen Bedürfnissen folgen und wie Sie es anstellen können, jeden Monat systematisch ein wenig Geld auf die hohe Kante zu legen. Weitere Hinweise zu diesem Thema finden Sie in vorhergehenden Blogposts.

  • Ralf sagt:

    Meine Oma sagte immer:
    Reich wirst du nicht durch das ,
    was du verdienst,
    sondern durch das was du nicht ausgibst.
    Hatte meine Oma Recht?

    • Viele Menschen machen die Erfahrung, dass sie trotz gestiegenen Einkommen am Ende des Monats „blank“ sind. Ein systematischer Vermögensaufbau ist für die meisten Menschen ein erfolgreicher Weg in einer finanziell abgesicherte Zukunft. Und ja, entscheidend ist nicht, wie viel man verdient, sondern wie viel man auch wirklich spart.

  • Stefan Blohm sagt:

    Warum spricht man bei Geld von Liquidität, flüssigen Mitteln? Weil Geld fließen muss, das hat sogar Mohammed erkannt und im Koran niedergeschrieben. Die wohlhabenden Menschen, die ich kenne, sind allesamt keine Sparer. Sie geben aus und es fließt (mehr) nach. Natürlich muss man etwas dafür tun, daß das Geld auch nachfließen kann. Zum Beispiel sich seine blockierenden Glaubenssätze hierzu bewusst machen und diese dann ggf. (z. B. mit Hypnose) ändern.

    • Haben Sie soviel Geld, dass Sie sich alles kaufen können, was Sie möchten? Wenn ja, dann gratulation. Die meisten Menschen kommen jedoch nur durch systematisches Sparen zu finanziellem Wohlstand. Sie müssen lernen, sich ein Vermögen aufzubauen. Und das beißt sich nicht im geringsten mit dem Fließenlassen des Geldes.
      Geld unter’s Kopfkissen legen ist aus mehreren Gründen keine kluge Option. Es durch die Hände rinnen (fließen) zu lassen auch nicht. Wenn man sein Geld anlegt, z. B. in einen Aktienfonds, FLIESST es in die Wirtschaft und es wird damit gearbeit. Ganz im Sinne von Mohamed.
      Mir persönlich gefällt der Ansatz von Herrn Zimmermann. Aber diesen Stand muss man sich erst einmal erarbeiten. Oder wohlhabend aufwachsen und nicht nur über ein Vermögen verfügen, sondern auch über das nötige Wissen, es auch zu behalten. Dennoch sollten wir auch für die Zeit vorsorgen, in der wir nicht mehr so tüchtig sein können oder wollen. Gerade in der heutigen Situation sollte jeder selbst die Verantwortung für seine finanzielle Absicherung im Alter übernehmen.

      Achzig Prozent der Lottomllionäre sind nach zwei Jahren finanziell wieder da, wo sie vor dem Lottogewinn waren. Geld allein reicht nicht.
      Ich kenne viele Menschen, die sehr viel verdienen, wohlhabend sind sie dennoch nicht, denn selbst das hohe Einkommen ist am Monatsende ausgegeben.
      Lieber Hans-Peter (Zimmermann), vielleicht kannst Du mal Deine Sichtweise schreiben. Glaubst Du, dass jeder „Otto-Normal-Verbraucher“ und Durchschnittsverdiener Deine Strategie anwenden kann? Wenn ja, dann lass uns gerne wissen, wie andere Deinen Erfolg teilen können. Dann sind Dir viele tausend Menschen dankbar und darüber hinaus auch Mohammed und ich. 🙂

  • Ich funktioniere da anders: Wenn ich mir einen gewissen Luxus gönne, bin ich so inspiriert, dass ich als Resultat davon das Vierfache verdiene.
    Jetzt kann ich mir alles leisten… und brauche es nicht mehr 😉