Lernen bis zum Umfallen – Burnout bei Schulkindern

Nach einem lernreichen Tag in der Schule können die meisten Kinder es kaum erwarten ihren Schulrucksack abzulegen und mit den Freunden die verdiente Freizeit zu genießen. Laut einer aktuellen Untersuchung hat sich dieses Bild allerdings in den letzten Jahren geändert. Demnach leiden immer mehr Kinder unter einem Burnout, weil sie unter ihrem eigenen Leistungsdruck leiden.

Dauerhaftes Pauken belastet die Gesundheit

Der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Michael Schulte-Markwort1 hat in den letzten 5 Jahren feststellen müssen, dass immer mehr Kinder zu ihm kommen, die unter Schlafstörungen, Verstimmungen und Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Dabei passten die Symptome nicht zu den üblichen Depressionserscheinungen. Die Kinder wirkten vielmehr erschöpft und unzufrieden. Seine Diagnose: Burnout. Doch woher kommt es, dass immer mehr Kinder sich so unter Druck gesetzt fühlen, gute Noten in der Schule zu bekommen und dabei ihr eigenes Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Leistungsdruck durch frühzeitige Überforderung

Schulte-Markwort behandelte bisher ca. 500 Kinder, die unter einem Burnout leiden. Jeden Tag stellen sich zwei weitere Kinder mit ähnlichen Symptomen bei ihm vor – die Tendenz ist steigend. Er sagt, dass es seltener die Eltern sind, welche ihre Kinder durch zahlreiche Zusatzangebote überfordern. Vielmehr werden Kinder durch die heutigen Leistungsorientierungen unserer Gesellschaft konfrontiert und wachsen mit dem Glauben auf, dass man ohne Abitur keine Zukunftschancen hat.
Viele Kinder berichten davon, dass sie sich in ihre Zimmer einschließen, Verabredungen mit ihren Freunden absagen und lieber lernen, um gute Noten zu bekommen. Doch was im ersten Moment nach Vorbildlichkeit und Ehrgeiz aussieht, entpuppt sich bald als quälender Selbstzwang, unter den die Kinder zu zerbrechen drohen.

Der Schultag muss auch mal ein Ende haben

Hausaufgaben sind wichtig, dass bestreitet niemand. Jedoch ist die Zeit an der frischen Luft, mit ausreichend Bewegung und Spaß mit seinen Freunden genauso wichtig. Kinder lernen dadurch ein gesundes Mittelmaß an Selbstdisziplin und Erholung. Jeder Mensch benötigt in seinem immer stressiger werdenden Alltag einen Ausgleich. Das ist gut für Körper und Seele. Je früher man dies lernt, desto besser kann man auch während der Ausbildung oder der Arbeit, Alltag und Beruf unter einen Hut bekommen.
Für Prof. Schulte-Markwort sollten daher schon grundlegende Maßnahmen in den Schulen unternommen werden. Er spricht sich für kleinere Klassen aus, setzt auf mehr pädagogische Unterstützung und vor allem gegenseitige Hilfe unter Lehrern und Eltern.

Mit ein wenig Unterstützung ist es möglich, gute Noten zu bekommen und gleichzeitig seine Kindheit zu genießen – ohne sich dafür in sein Zimmer zu verbarrikadieren und sich von der Außenwelt abzukapseln.

1Michael Schulte-Markwort: Burnout-Kids: Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert, Pattloch Verlag, 2015