Schlafentzug gegen Depressionen

Viel Schlaf ist gut, dass weiß jedes Kind. Wenn allerdings der erholsame Schlaf fehlt, kann es mitunter zu Konzentrationsstörungen und einer erhöhten Reizbarkeit kommen.
Menschen mit Depressionen klagen häufiger über Schlafstörungen, wie Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, die dazu führen, dass ihre psychische Belastung steigt und immer mehr körperliche Erschöpfungssymptome auftreten.
Der Psychiater Prof. Dr. Ulrich Hegerl empfiehlt diesen Menschen eine ungewöhnlich Methode: Schlafentzug.

Ergebnisse einer Schlafverhaltensstudie zeigt neue Therapieansätze

Professor Dr. Hegerl untersuchte das Verhalten von depressiven Menschen, welche isoliert in einem Raum ohne Beschäftigungsmöglichkeiten saßen. Er stellte sich die Frage, ob die Probanden müde werden, einschlafen oder einfach ihre Zeit absitzen. Seine Ergebnisse waren überraschend: Menschen, die gesund waren, nickten in kürzester Zeit ein. Menschen die Depressionen haben, wirkten zwar leicht müde und erschöpft aber dösten nicht mal ein. Der Grund: Das Gehirn eines Menschen mit Depressionen läuft ununterbrochen auf Hochtouren. Dadurch kann sich bei diesen Menschen kein erholsamer Schlaf einstellen, was dazu führt, dass sie sich weniger entspannt als angespannt fühlen.

Eine Wachtherapie soll Menschen mit Depressionen helfen

In der Regel wird ein gesunder Schlaf nach dem Einschlafen immer tiefer und durchläuft vier Stadien bis hin zum Tiefschlaf. Die darauffolgenden REM-Phasen (Rapid Eye Movement), in denen die meisten Menschen ihre intensivsten Träume haben, treten 4-6 mal in der Nacht auf. Diese Phasen dienen der psychischen Erholung, so Schlafforscher. Bei depressiven Menschen sind diese Phasen leider gestört. Entweder treten sie früher ein oder verschieben und verringern sich, sodass es mitunter zu einem häufigen nächtlichen Erwachen kommt.
Bei einer Wachtherapie, hier als kontrollierter Schlafentzug zu verstehen, werden die Patienten mit Depressionen wenige Stunden nach dem Einschlafen geweckt und bis zum nächsten Abend wach gehalten. Dadurch wird verhindert, dass die Patienten stundenlang wach liegen und sich ihren Stimmungsschwankungen ergeben. Durch die gezielte Störung des Schlafes fühlen sich die Patienten am nächsten Tag besser, da sie nicht in ihrem Bett liegen und grübeln, sondern sich bewusst intensiv beschäftigen. Bei etwa 50-80 Prozent der Patienten verschwindet sogar ihre niedergeschlagene Stimmung innerhalb der ersten 24 Stunden. Erst nach ca. 36 Stunden ist wieder eine Nachtruhe eingeplant.

Schlafentzug sollte als Zusatztherapie gesehen werden

Obwohl die Methode der Wachtherapie der permanenten Wachheit von depressiven Menschen entgegen wirkt und die Neigung zu Schlafen fördert, sollte sie nur als Zusatztherapie gesehen werden. Grund ist die leider nur kurzfristige Wirkung, da das depressive Denkverhalten mit der nächsten schlafreichen Nacht wieder zurückkehrt und die Patienten in ihr Tief zurück fallen.

Dennoch kann die Behandlung sinnvoll sein, da es den Betroffenen vor Augen führt, dass ihre Symptome weggehen können. Es gibt ihnen die Hoffnung, dass sie irgendwann ihre Krankheit besiegen werden.