Es gibt verschiedene Methoden, mit denen man lernen kann, Schmerzen zu vermindern oder auch abzuschalten. Dafür sind in der Regel viele Jahre täglicher Meditation oder Yogaübungen erforderlich. Für diese sehr wertvollen Praktiken haben in der westlichen Welt jedoch viele berufstätige Menschen nicht die erforderliche Zeit. Und auch wenn Sie Meditation oder Yoga praktizieren, sind die Erfolge bei der Schmerzabschaltung selbst nach vielen Jahren der Praxis oft unbefriedigend.

Die Schmerzabschaltung mittels Hypnose können Sie unter Anleitung in einer einzigen Sitzung lernen. Haben Sie die Selbsthypnose erlernt und eine Zeit lang praktiziert, sollte die Schmerzabschaltung kein Problem mehr für Sie darstellen. Mit ein wenig Übung sollten Sie dann in der Lage sein, innerhalb von Sekunden an jeder beliebigen Stelle des Körpers die Schmerzempfindung abzuschalten.

Das ist nicht nur sinnvoll im Rahmen der Schmerztherapie, sondern kann auch unangenehme Behandlungsprozeduren deutlich erleichtern. In der Literatur wird das Phänomen als hypnotische Anästhesie bezeichnet. (*1)

Schritte zum Erlernen der Schmerzabschaltung :

  • Sie pieksen vorsichtig mit einer Nadel auf die Haut des linken Armes und spüren, wie es sich anfühlt. Dann legen Sie ein dickes Stück Stoff auf die Haut und pieksen erneut. Dieses Mal werden Sie nicht das Stechen der Nadelspitze spüren, sondern nur den Druck der Berührung. Jetzt haben Sie eine Vorstellung, wie es sich anfühlen könnte, wenn der Schmerz abgeschaltet ist.
  • Sie gehen in die Selbsthypnose und geben sich die Suggestion:
    “Mein linker (rechter) Arm ist ganz kühl, taub, unempfindlich und schmerzfrei. Die Durchblutung vermindert sich und alle Gefühle, Wahrnehmungen und Empfindungen ziehen sich zurück. (Mehrfach wiederholen.) Nach der Suggestion testen Sie mit einem spitzen Gegenstand die Wahrnehmung und vergleichen die Empfindung mit einer anderen Stelle.
  • Nach dem Test sollten Sie die Schmerzunempfindlichkeit wieder aufheben. Dazu geben Sie sich eine Suggestion mit etwa folgendem Inhalt:
    Der Arm ist wieder normal empfindlich und wird wieder gut durchblutet.
  • Dann gehen Sie erneut in die Selbsthypnose, geben sich die o. g. Suggestion und ergänzen: “Jedes Mal wirkt die Schmerzabschaltung besser” (intensiver und länger). Sie beenden erneut die Selbsthypnose, testen und stellen fest, in wieweit sich die Unempfindlichkeit verstärkt hat.
    Um sich wirklich davon zu überzeugen und um sich in der Zukunft auch sicher zu fühlen, wollen viele Übende die Haut auch einmal mit einer Nadel durchstechen.
    Diesen Test brauchen Sie – wenn überhaupt – nur einmal zu machen, dann wissen Sie endgültig, dass es funktioniert und wie sich eine wirksame Schmerzabschaltung anfühlt. (Bitte auf Sterilität achten.)
  • Sie wiederholen diese Übung solange, bis Sie in einer einzigen kurzen Selbsthypnose den Schmerz vollständig abschalten können. Dann ist das Hauptziel erreicht.
    Es gibt jedoch drei sinnvolle Erweiterungen, die zu lernen empfehle:

    • Schmerz aus- und wieder einschalten:
      Sie lernen, den Schmerz mit Hilfe einer Suggestion wieder einzuschalten: “Wenn ich jetzt über den Arm streiche, ist der Arm wieder normal schmerzempfindlich”.
      Dann können Sie in mehreren kurz aufeinander folgenden Selbsthypnosen den Schmerz abschalten und anschließend wieder anschalten. Wenn Sie die tiefe Selbsthypnose beherrschen, dann sollte jede dieser Hypnosen nur ca. 30 bis 60 Sekunden dauern.
    • Den Schmerz an einer beliebigen Stelle des Körpers abschalten:
      Sie geben sich dieselbe Suggestion wie zuvor, nur wenden Sie dieses Mal den anderen Arm. Wenn das funktioniert, dann wählen Sie verschiedene weitere Körperstellen (Bein, Bauch), bis Sie sicher wissen, dass Sie von nun an jeden beliebigen Bereich Ihres Körpers schmerzfrei “schalten” können.
    • Schmerzunempfindlichkeit mittels Codewort (Keine Hypnose erforderlich):
      Sie geben sich in der Hypnose folgende Suggestion: “Wenn ich den Schmerz abschalten will reicht es von nun an, dass ich auf den betreffenden Körperteil zeige und sage “schmerzfrei”.” (dreimal wiederholen). Wenn diese Suggestion verinnerlicht wurde, sind Sie von nun an in der Lage, jederzeit in Sekundenschnelle den Schmerz in jedem beliebigen Körperteil abzuschalten.

Prinzipiell kann das Schmerzerleben in Hypnose in zwei Richtungen verändert werden. Es kann eine Schmerzunempfindlichkeit hergestellt werden, aber auch eine Schmerzüberempfindlichkeit, bei der selbst die Berührung mit einer Feder einen Schmerzreiz auslöst. Die zweite Möglichkeit spielt in der Behandlung von Schmerzpatienten keine Rolle und soll an dieser Stelle deshalb nur erwähnt werden.

In tiefer Hypnose lässt sich die Schmerzunempfindlichkeit sehr schnell herstellen. Man kann als Signal dafür eine automatische Fingerbewegung verwenden. Wenn dieses ideomotorische Signal erfolgt, ist die Schmerzfreiheit eingetreten, was man mit dem Stich einer Kanüle objektivieren kann.

Nadel in der Hand

Wenn die Fähigkeit der Schmerzabschaltung etabliert ist, wird sie suggestiv auf den Patienten übertragen. Er ist dann in der Lage, die Schmerzwahrnehmung an jedem beliebigen Ort des Körpers willentlich ein- und auch auszuschalten. Er selbst kann das dann testen, z. B. am Unterarm.

Nadel im Unterarm

Hinweis: Der Erfolg der Schmerzabschaltung hängt von der Tiefe der Hypnose ab sowie von der geistigen Einstellung. Zweifel und Skepsis können verhindern, dass die Suggestionen vollständig vom UB angenommen werden. Ihre Skepsis wird aber verschwinden, wenn sie sich bewusst machen, dass schon tausende von Frauen unter hypnotischer Analgsie ihre Kinder völlig schmerzfrei zur Welt gebracht haben. Unter hypnotischer Anästhesie wurden alle nur denkbaren Operationen unter völliger Schmerzfreiheit durchgeführt, wie Beinamputationen, Herzoperationen, Lungenresektionen und bei vielen anderen schweren Eingriffen.

Wichtiger Hinweis

Der Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers. Wenn Sie dieses Signal abschalten, kann es passieren, dass Sie wichtige Hinweise auf eine Erkrankung ignorieren und ärztliche Behandlung nicht oder zu spät in Anspruch nehmen.

Sinnvoll ist die Schmerzabschaltung z. B. bei “austherapierten” chronischen Schmerzen und beim Krebsschmerz oder wenn Sie Schmerzen/Zahnschmerzen haben und die Zeit bis zum Zahn/Arztbesuch überbrücken wollen. Im Zweifelsfall ist es immer richtig, zuerst nach der Ursache des Schmerzes zu suchen.

(*1) (Wie Sie von der Narkose wissen, ist die Anästhesie mit einem Verlust des Bewusstseins verbunden. Aus diesem Grund ist es korrekter, von einer hypnotischen Analgesie zu sprechen.)
Hören Sie, welche Erfahrungen andere gemacht haben. (Zum Anhören bitte auf den Text klicken und Lautsprecher einschalten):

Selbsthypnose mit Schmerzausschaltung erlernt. Es funktioniert sehr gut und in sehr kurzer Zeit. Ich kann den Schmerz auch im Wachzustand beliebig ein- und ausschalten. Ich bin absolut überzeugt davon.

Ich kann mit Selbsthypnose immer wenn ich es möchte meinen Schmerz abschalten. Ich brauche keine Medikamente und fühle mich damit wohl. Ich nutze es wenn ich Kopfschmerzen habe, wenn ich Rückenschmerzen habe oder mich nicht wohlfühle.

Universitäts-Studie: Selbsthypnose lindert chronische Schmerzen

Wer die Selbsthypnose und vor allem die Schmerzabschaltung beherrscht, wird sich fragen, wozu Studien nötig sind, um eine so objektive Wirkung der Hypnose nachzuweisen. Ist es doch möglich, mit einer einzigen Hypnose zu demonstrieren, dass man den Schmerz eines Menschen leicht vermindern bzw. ausschalten kann. Auf meiner Homepage finden Sie zahlreiche Belege dafür, dass Hypnose in der therapeutischen Praxis sehr erfolgreich zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden kann. Aber es sind gerade Studien, die zur Akzeptanz einer Methode unter den Behandlern beitragen. Und die hier zitierte Studie bezieht sich auf die Selbsthypnose.

In einer Studie am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie an der Universität Göttingen wurde nachgewiesen, dass Patienten mit chronischen Schmerzen ihre Leiden durch Selbsthypnose lindern und damit auch den Bedarf an Schmerzmitteln senken können. An der Studie nahmen 28 Schmerzpatienten teil, die unter anderem an chronischen Rückenschmerzen, Migräne und Rheumaschmerzen litten.

Die Patienten lernten unter Anleitung geschulter Therapeuten, sich bei auftretenden Schmerzattacken mittels Selbsthypnose in einen Zustand tiefer Entspannung zu versetzen. Dadurch verringerten sich die Schmerzen deutlich. Die Patienten konnten dauerhaft auf 60 bis 75 Prozent ihrer Medikamentendosis verzichten. Eine Nachuntersuchung nach drei Monaten zeigte, dass die regelmäßige Selbsthypnose zu einer nachhaltigen Verbesserung ihres körperlichen und seelischen Wohlbefindens führte. Depressive Symptome hatten sich deutlich verringert, und die Patienten konnten soziale und berufliche Aktivitäten wieder aufnehmen. Die Medikamentendosis wurden bei Analgetika um 60 Prozent, bei Antidepressiva um 63 Prozent und bei Opiaten sogar um 75 Prozent gesenkt.