Showhypnose – Fluch oder Segen?

Showhypnose, auch Bühnenhypnose genannt, ist umstritten. Von den einen wird sie geliebt als interessante und spannende Unterhaltung, von anderen wird sie verteufelt. In vielen Ländern ist die Schowhypnose sogar per Gesetz verboten.  Die Mehrzahl der Hypnosetherapeuten lehnen die Showhypnose generell ab. Ist sie nun ein Fluch oder ein Segen?

Ich selbst werde immer wieder gefragt, wie ich zu diesem Thema stehe. Anders als viele meiner Kollegen lehne ich die Showhypnose nicht generell ab.

Im Gegenteil, im Rahmen von Seminaren, Vorträgen und Weiterbildungsveranstaltungen auch für Ärzte, Psychologen und Krankenschwestern führe ich immer wieder Hypnosedemonstrationen durch, um die Kraft der Hypnose zu demonstrieren und um zu verdeutlichen, wie die enormen Möglichkeiten, die sich mit Hilfe der Hypnose eröffnen, sehr Frucht bringend im Rahmen von Psychotherapie und Medizin therapeutisch eingesetzt werden können.

Hier wird ein wichtiger Unterschied deutlich zwischen Hypnose-Demonstrationen und Showhypnose.

Hier nun meine Sichtweise zur Showhypnose.

Nach meinem Verständnis trägt sie in einem hohen Maße dazu bei, auf die Hypnose aufmerksam zu machen und die Kraft der Hypnose zu demonstrieren.  Nachdem Siegmund Freud sich von der Hypnose abgewendet hatte, war diese als therapeutische Methode für eine halbe Ewigkeit von der Bildfläche verschwunden. Die Bühnenhypnose hat dazu beigetragen, dass die Hypnose nicht ganz in Vergessenheit geriet. Das halte ich für ein wichtiges Verdienst.

Es gibt aber auch eine Schattenseite der Showhypnose. Diese besteht in dem Wesen einer derartigen Veranstaltung, nämlich in Unterhaltung und Show. Ein Showhypnotiseur hat naturgemäß andere Ziele als ein Hypnosetherapeut. Es geht ihm um Unterhaltung, Spannung, Gänsehaut und auch ein wenig Mystik.

Der Showhypnotiseur ähnelt in gewissem Maße dem Zauberkünstler, der nicht alle Tricks verrät, um die Spannung zu erhalten. Vom Zauberkünstler wissen wir jedoch, dass er nicht wirklich zaubert. Die Showhypnotiseure hingegen „verkaufen“ viele Dinge als real, die es nicht immer sind.

Wenn ein Showhypnotiseur ähnlich einem Therapeuten sagen würde “Ich habe keine Kraft über die Menschen, ich kann nur helfen, das hervorzubringen, wozu diese bereit sind, mitzumachen”, dann wäre das knisternde Element, das sowohl der Showhypnotiseur als auch der Fernsehsender wünschen, “entzaubert”.

In der Bühnenhypnose / Showhypnose wird beispielsweise ganz bewusst der Eindruck vermittelt, der Hypnotisierte sei nicht bei Bewusstsein, müsse den Befehlen des „Meisters“ folgen und könne selbst zu kriminellen Handlungen angestiftet werden. Das regt natürlich die Phantasie der Zuschauer enorm an, was aus dramaturgischer Sicht natürlich gewollt ist.

Das Problem besteht jedoch darin, dass die Zuschauer Angst vor der Hypnose bekommen. Das bedeutet, dass sie eine der wirksamsten Heilmethoden überhaupt gar nicht für sich in Erwägung ziehen.

Welcher Mensch würde sich auch ohne Bedenken in die Hände eines Menschen (Therapeuten) begeben, den er nicht kennt, der mit ihm machen kann, was er will und am Ende weiß man nicht einmal, was mit einem geschehen ist, denn man war nicht bei Bewusstsein und hat nichts mitbekommen.

Dies sind ganz reale Ängste, die aber nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein könnten.

Wenn sich ein Leidender doch für eine Hypnosetherapie entscheiden sollten, sind sie oft dermaßen mit Angst und Vorurteilen beladen, dass sie sich kaum in die Hypnose einlassen können. Statt mit der Therapie zu beginnen, muss der Hypnosetherapeut erst ausführlich aufklären, Ängste nehmen und falsche Vorstellungen korrigieren.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf ähnliche Blogposts auf meiner Seite hinweisen, in denen dargestellt wurde, warum der Hypnotisierte in der Hypnose NICHT ausgeliefert ist.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass der Showhypnose ein wichtiges Verdienst anzurechnen ist. Ihr Unterhaltungswert ist enorm, die Angst die sie aufgrund der Vermittlung unwahrer Sachverhalte verbreitet ist tief in der Bevölkerung verankert und führt dazu, dass viele  Patienten, die sie von Hypnosetherapie profitieren könnten, diese nicht in Erwägung ziehen.

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