Verträgt sich Hypnose mit einer „konventionellen“ Therapie?

Prinzipiell ist zu empfehlen, dass kein Patient gleichzeitig zu zwei Psychotherapeuten gehen sollte. Das hat damit zu tun, dass sich der Patient intensiv auf den therapeutischen Prozess einlassen muss. Das „Tanzen auf zwei Hochzeiten“ kann bedeuten, dass der Patient arbeitet, sich aber nicht wirklich einlässt.

© Halina Zaremba/ PIXELIO'

© Halina Zaremba/ PIXELIO‘

Viele Patienten, die sich an einen Hypnosetherapeuten wenden, tun das aber gerade deshalb, weil sie schon viele erfolglose Therapien hinter sich haben und sich oft noch in Behandlung befinden, mit den Ergebnissen aber noch unzufrieden sind.

Das Ansinnen sich zusätzlich an einen Hypnosetherapeuten zu wenden, ist verständlich und auch legitim. Es sollte jedoch mit dem Therapeuten besprochen werden.

Bevor die Frage beantwortet werden kann, ob im Einzelfall eine parallele Hypnosebehandlung sinnvoll ist, muss geklärt werden, um welches Problem und welche Form der Hypnosetherapie es sich handelt.

Bei manchen Problemstellungen ist die Hypnosetherapie erfahrungsgemäß recht zuverlässig in der Lage mit einer kurzen intensiven Behandlung eine spürbare Besserung zu bewirken. So lassen sich beispielsweise Phobien (umschriebene Ängste) häufig in einer einzigen Sitzung lösen. Auch traumatische Erfahrungen oder bei Schlafstörungen können recht zuverlässig in einer sehr kurzen Zeit erfolgreich behandelt werden. Bei derartigen Problemstellungen ist die zusätzliche Behandlung beim Hypnosetherapeuten aus meiner Sicht nicht zu beanstanden.

In diesem Fall sollte sich die Hypnosetherapie mit einer „konventionellen“ Therapie gut vertragen und diese sogar ergänzen beziehungsweise unterstützen. Es ist wie wenn Sie beim Hausarzt langfristig in Behandlung sind und einen Spezialisten aufsuchen, um eine ambulante Knieoperation vornehmen zu lassen. Anschließend sind Sie wieder bei Ihrem Hausarzt in Behandlung.

Anders stellt es sich dar, wenn die Problemstellung oder die Art der Therapie eine längerfristige Begleitung durch den Hypnosetherapeuten erfordert. In diesem Fall ist von einer Doppelbehandlung eher abzuraten.

Da es sich bei der Hypnosetherapie in aller Regel um eine Kurzzeit- oder auch Ultrakurzzeittherapie handelt und nicht um eine Langzeittherapie, besteht auch nicht die Gefahr, dass sich eine Übertragungsbeziehung entwickelt. Übertragungsbeziehung bedeutet vereinfacht, dass sich eine intensive Beziehung zwischen Patient und Therapeut entwickelt. Dies ist neben der Beziehung zum bisherigen Therapeuten nicht wünschenswert und kann den langfristigen therapeutischen Prozess behindern.

Das Aufsuchen eines zweiten Therapeuten sollte also nach Absprache mit dem bisherigen Therapeuten und nur bei dessen Zustimmung erfolgen. Zwei parallele Therapien sollten möglichst vermieden werden. Es empfiehlt sich auch immer den Hypnosetherapeuten darüber informieren, dass Sie sich bereits in Behandlung befinden. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie einen Hypnosetherapeuten zusätzlich nur dann aufsuchen, wenn Sie von beiden Therapeuten eine diesbezügliche Empfehlung bekommen.