Warum sollen Sie in der Hypnose loslassen?

Damit Sie von der Hypnose maximal profitieren können, ist es wichtig, dass Sie den Hintergrund des therapeutischen Ansatzes verstehen.

Es gibt drei Ebenen des Bewusstseins:

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1. Das Bewusstsein

2. Unterbewusstsein

3. Das Unbewusste

 

 

 

  • Das Bewusstsein
    • Beinhaltet den rationalen und analytischen Verstand.
    • Begrenzt in seiner Kapazität (gleichzeitige Verarbeitung von max. 7 – 9 Informationen).
    • Hier residiert der Wille (der wie ein Adrenalinstoß für den Körper jedoch immer nur kurzzeitig Energie zur Verfügung stellt).
  • Das Unterbewusstsein (UB)
    • Das UB beinhaltet das permanente Gedächtnis, das alle Erlebnisse, Ereignisse und Wahrnehmungen des gesamten Lebens speichert.
    • Es ist unbegrenzt in seiner Kapazität.
    • Es ist hoch organisiert.
    • Es ist zuständig für Gewohnheiten und Glaubenssätze.
    • Es nährt die Imagination.
  • Das Unbewusste (autonome Nervensystem), es reguliert u. a.:
    • alle autonomen Körperfunktionen (Atmung, Herzschlag, etc.)
    • körperlich bedingte emotionale Reaktionen
    • die glatte Muskulatur
    • Schutzreflexe (Hand wegziehen bei Verbrennung, Verletzung, etc.)


Was ist der kritische Faktor?

Der kritische Faktor ist eine Instanz des Bewusstseins, die mit dem Bewusstsein zusammenarbeitet, und deren Funktion darin besteht, neue Informationen mit alten Wahrnehmungen und Glaubenssätzen zu vergleichen. Er lässt nur Informationen in das Unterbewusstsein, die existierende Überzeugungen und Glaubenssätzen bestätigen. Widersprechende Wahrnehmungen und Erfahrungen werden zurückgewiesen und gelangen nicht in das Unterbewusstsein.
Aus diesem Grunde sind neue Überzeugungen und Gewohnheiten (Ich sollte aufhören zu rauchen, mich gesünder ernähren, regelmäßig Sport treiben, etc.) sowie neue Glaubenssätze (Ich bin liebenswert, ich darf glücklich sein, etc.), auch so schwer zu verinnerlichen. Sie werden vom kritischen Faktor zurückgewiesen und verbleiben im Bewusstsein.

Wie wir wissen, lassen sich tief verwurzelte Gewohnheiten (Rauchen, Überessen, Nägelbeißen, etc.) und einschränkende Glaubenssätze (Ich bin nichts wert. Ich bin schlecht. Ich werde es nie zu etwas bringen., etc.) allein mit Willenskraft aber nicht überwinden. Um die Verhaltensmuster, Glaubenssätze, etc. zu überwinden, die den Hintergrund von Problemen und Erkrankungen bilden, ist es erforderlich, neue Überzeugungen, Glaubenssätze, Gewohnheiten und Verhaltensmuster im Unterbewusstsein zu etablieren. Und genau hier setzt die Hypnosetherapie an.

Wie pflanzen wir eine Suggestion / Überzeugung in das Unterbewusstsein ein?

Wir nutzen die Kraft der Hypnose. Eine Definition beschreibt Hypnose als das Umgehen des kritischen Faktors und das Etablieren von selektivem und akzeptablem (den Zielen förderlichem) Denken. Das ist alles, was die Hypnose ausmacht. Dieses Verständnis löst all die Verwirrungen und die Mysterien über die Hypnose auf. Hypnose ist einfach nur das Umgehen dieser blockierenden Instanz und die Etablierung akzeptabler Suggestionen im Unterbewusstsein.

Um den Erfolg der Hypnose zu unterstützen ist es wichtig, NICHT über die Suggestionen nachzudenken oder sie zu hinterfragen. Am besten ist es, wenn Sie die Suggestionen ausführen, OHNE nachzudenken. Grübeln und Hinterfragen ist eine Aktivität des Bewusstseins, das die Möglichkeiten des Unterbewusstseins einschränkt. Deshalb sage ich meinen Patienten gerne: „Stellen Sie sich vor, was ich Ihnen suggeriere und lassen Sie es geschehen. Dann werden Sie den größten Erfolg haben.“

Wenn Sie eine psychiatrische Erkrankung haben (z.B. Psychose, manisch-depressive Erkrankung), wenn Sie chronischer Skeptiker oder ein extrem kontrollierender Mensch sind, dann sollten Sie sich eher nicht zur Hypnosetherapie anmelden. Lesen Sie in diesem Zusammenhang bitte auch das Kapitel „Wann sollte Hypnose nicht angewendet werden? (Kontraindikationen)“.

Falls Sie ein Mensch sind, der dazu neigt, alles in seinem Leben zu kontrollieren, kann es für Sie sehr hilfreich sein, eine vertraute Person zur Ersthypnose mitzubringen. Dieser Person (es sollte jemand sein, dem Sie wirklich vertrauen) können Sie die Kontrolle übertragen. Mit anderen Worten, Sie wissen, es ist jemand bei Ihnen, der aufpasst, dass nichts geschieht, was in irgendeiner Weise nachteilig für Sie ist. Dies erlaubt dann auch Ihnen, loszulassen und sich in die Trance einzulassen.

Nach der ersten Hypnose ist es dann nicht mehr notwendig, dass eine Vertrauensperson anwesend ist, denn Sie WISSEN jetzt, dass Sie in der Hypnose nicht bewusstlos oder ausgeliefert sind und dass Sie nichts sagen oder tun müssen, was Sie nicht wollen.

Nach dem Etablieren der Hypnose beginnen wir mit der eigentlichen Arbeit. Dies geschieht in aller Regel unter vier Augen. Falls es IHR ausdrücklicher Wunsch ist, dass eine vertraute Person anwesend ist, dann kann die Vertrauensperson auch weiterhin anwesend sein. Dies geschieht aber in der Praxis sehr selten. Ich erwähne es hier mit dem Ziel, dass Sie wissen, wir werden alles tun, was Ihnen hilft, sich in die Hypnose und in die Behandlung einzulassen.

Warum ist es wichtig, in der Hypnose loszulassen und was ist mit „loslassen“ gemeint?

Nehmen wir das Beispiel eines Computers:
Sie sind der User (der Nutzer), der Emails schreibt, Bilder bearbeitet, im Internet surft, etc. Sie können die vorhandenen Programme nutzen, haben aber nur wenig Möglichkeiten, tieferliegende Programme und Einstellungen zu ändern. Dazu sind Administrator-Rechte erforderlich.

Stellen Sie sich vor, der Administrator (der über ein entsprechendes Passwort verfügt, dass ihm Zugang zu tieferen Programmierebenen erlaubt) sitzt neben Ihnen und wartet nur darauf, Ihnen behilflich zu sein, falls Sie seine Hilfe brauchen. Alles was Sie tun müssen ist, ihn um Hilfe zu bitten und zur Seite zu rücken, so dass er die Tastatur bedienen kann. Er wird alle gewünschten Änderungen schnell und effektiv vornehmen und Ihnen dann wieder die Tastatur überlassen.

Ihr Unterbewusstsein IST der Administrator. Alles was Sie also tun müssen, ist, Ihr Unterbewusstsein zu bitten, Ihnen zu helfen und dann alles andere dem „Administrator“ zu überlassen. Im genannten Beispiel überlassen sie die Tastatur, das heißt Sie mischen sich nicht ein mit Fragen oder Ideen oder Vorschlägen oder „klugen“ Gedanken. In der Sitzung bedeutet dass, dass Sie möglichst nicht analysieren sollten, was gerade geschieht und wie etwas geschieht. Gedanken wie „Bin ich jetzt in Trance oder nicht?“ oder „Der andere Hypnosetherapeut hat das aber so und so gemacht.“ aktiviert Ihren kritischen Verstand und schwächt die Möglichkeiten Ihres Unterbewusstseins, die im Rahmen der Behandlung erforderlichen Dinge geschehen zu lassen.

Nehmen wir das Beispiel der Schmerzabschaltung. Der User / Computernutzer (also das Bewusstsein) kann den Schmerz gar nicht abschalten. Für den Administrator / Unterbewusstsein ist das wiederum eine Kleinigkeit. Wenn Sie in den Kopf gehen würden und bewusst versuchen würden, einen Schmerz abzuschalten oder wenn Sie darüber reflektieren, ob das überhaupt geht oder wie das funktionieren könnte, dann ist das so, wie wenn Sie sich wieder an die Tastatur setzen und Eingaben machen. Dann wird sich der Administrator höflich zur Seite setzen und warten, bis Sie fertig sind. Es wird sich aber nicht die gewünschte Veränderung (z.B. Schmerzabschaltung) einstellen.

Wie bereits weiter oben deutlich wurde (s. kritischer Faktor), ist es wichtig, gerade NICHT kritisch den Prozess zu verfolgen, sondern loszulassen in dem Vertrauen, es gibt einen Teil in Ihnen (der Administrator), der alle Voraussetzungen und Fähigkeiten hat, die gewünschten Veränderungen herbeizuführen. Dieser Administrator (Ihr Unterbewusstsein) kann aber nur dann seine Arbeit machen, wenn SIE ihn LASSEN.

Ich fasse noch einmal zusammen. Wenn man mit tiefer Hypnose arbeitet, ist die Therapie eigentlich ganz leicht. Man lässt den Administrator (das Unterbewusstsein) machen und alle Schritte der Therapie tauchen nacheinander auf und können durchlaufen werden. Denken Sie daran, der Administrator (das Unterbewusstsein), dass sind auch SIE. Natürlich kann es Sie auch einmal betroffen machen, wenn zum Beispiel Wut auftaucht oder Traurigkeit oder das Gefühl, allein zu sein, aber alle wichtigen Gefühle oder Erinnerungen werden ganz leicht auftauchen und können leicht und zuverlässig bearbeitet werden, ohne dass man viele Stunden krampfhaft bewusst versuchen muss, etwas zu MACHEN. Lassen Sie den Administrator seine Arbeit machen. Lassen Sie geschehen, was geschieht und Sie werden erstaunt sein, welche Veränderungen Sie mit seiner Hilfe erreichen können!