Migräne – eine Volkskrankheit

Nachdem nach aktuellen Umfragen hierzulande über acht Millionen Menschen (zuzüglich einer Dunkelziffer) von regelmässiger oder gelegentlicher Migräne betroffen sind, ist für die Deutschen Migräne ein ernst zu nehmendes Problem für die Volksgesundheit und die Volkswirtschaft. Fest steht, dass fast schon jeder einmal mit Migräneattacken Erfahrung gemacht hat und Frauen davon häufiger betroffen sind als Männer. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft geht davon aus, dass 2017 6 – 8 % der Männer und sogar 12 – 14 % der Frauen weltweit unter den Symptomen der Migräne leiden.

Migräne oder Kopfschmerzen? Ursachen, Unterschiede und Symptome:

Wissenschaftlich gesehen ist in der Neurologie die Migräne eine vorübergehende Stoffwechselstörung des Gehirns der Betroffenen, bei welcher kaum erträglichen Kopfschmerzen oft als halbseitig pulsierend empfunden werden.

Zu den charakteristischen Begleiterscheinungen der Migräneattacken gehören Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen (von Flimmern bis Drehschwindel), Lichtempfindlichkeit, Schmerzempfindlichkeit und sogar Wahrnehmungsstörungen. Häufig wird bei Hormonveränderungen / Hormonumstellungen von Migräneschüben berichtet. Hier sind es vor allem Frauen, die durch ihren Zyklus und die Menstruation dem ständigen Wechsel ausgesetzt sind, der Anfälle fördert. Auch spielt die Ernährung eine Rolle.
Beispielsweise können Koffein-Entzug, Alkoholzufuhr oder Glutamat einen Migräneanfall begünstigen. Zur korrekten Diagnostik empfiehlt sich stets eine Untersuchung beim Neurologen zum Ausschliessen von anderen neurologischen Erkrankungen. Zum Beispiel unterscheidet man Migräne vom Clusterkopfschmerz, welcher ebenfalls halbseitig und meist bei Männern um das 40. Lebensjahr auftritt. Den Migräne Ursachen kann man also auf den Grund gehen, wenn man sich u.a. die Lebensweise des Patienten genauer anschaut.

Therapeutische Maßnahmen bei der Migräne

Der Zustand der Migräne beginnt meist mit einem etwa einstündigen Blitzen und Flimmern vor den Augen und geht dann in eine belastende Phase über welche vier Stunden bis drei Tage im Durchschnitt anhält. Betroffene Patientinnen und Patienten sind in diesem Zustand arbeitsunfähig, ziehen sich zurück und bedürfen der Dunkelheit und absoluter Stille solange sie unter Migräne leiden. Mit den Schmerzmitteln Analgetika erzielt man vorübergehend bei Spannungskopfschmerzen begrenzt Linderung. Nur wenige Elemente können eindeutig als Auslöser für Migräne betrachtet werden. Gerade wenn die Häufigkeit der Anfälle zunimmt und mit Medikamenten wie Acetylsalicylsäure die Migräne Symptome bekämpft werden müssen, ist eine Untersuchung zwecks Therapie der Migräne notwendig. Hier empfiehlt sich dann auch ein Kopfschmerztagebuch. Dieses verschafft Patient und Therapeut Überblick über die Migräne und die Migräne Symptome.

Was also tun bei regelmässigen Migräne Formen ausser dem ständigen Einholen der Rezepte zur Bekämpfung der Schmerzen mit Medikamenten? Ein geregelter Tagesablauf, gesunde Lebensweise, gesunde Ernährung, Entspannungsverfahren und guter Schlaf helfen beim Migräne vorbeugen. Die bewährte Methode der Hypnotherapie kann aber auch auf dem Gebiet der Migräne Erfolge vorweisen und gilt als vorteilhafte Alternative.

Studie: Hypnotherapie hochwirksam bei Migränebehandlung

In der vorliegenden Studie nahmen 48 stationäre Patienten teil. In der Endauswertung konnten die Daten von 29 Patienten (21 weiblich, 8 männlich) im Alter zwischen 19 und 63 Jahren berücksichtigt werden. Diese wurden in zwei Gruppen randomisiert.

  • 17 Patienten erhielten nach zweiwöchiger stationärer Behandlung regelmäßig Hypnose- Behandlungen neben den üblichen Therapien (med. Therapien, KG, physikalische Maßnahmen ohne psychotherapeutische Angebote).
  • 12 Patienten erhielten die üblichen Therapien und zusätzliche Entspannungs-Verfahren (Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training) sowie ein psychotherapeutisches Angebot.

Basierend auf einer ausführlichen Klienten-Dokumentation zu Behandlungsbeginn (ärztliche Untersuchung und Patientenbefragung) wurde der Behandlungs-Verlauf in beiden Gruppen mittels Fragebogen und Schmerzkalender bis zum Ende der Untersuchung (9 Katamnesen) erhoben.Damit konnten individuelle Verläufe und deren Veränderungen zuverlässig abgebildet werden. Im Mittelpunkt der Studie standen die folgenden Fragestellungen:

  1. Die Effektivität der Hypnosetherapie bei der Behandlung der Kopfschmerzen vom Migränetyp
  2. Die Rolle der Suggestibilität in der Effektivität der Hypnosetherapie

Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, dass eine gezielte, individuell abgestimmte Hypnosetherapie, die die Kompetenz der Patienten miteinbezieht, durch die Arbeit an bio-psycho-sozial schmerzfördernden Mechanismen hochwirksam ist. Im Gruppenvergleich wurde in der Untersuchung bei der Gruppe mit Hypnosetherapie (HG) eine deutliche bzw. signifikante Besserung der Migränekopfschmerzen (Häufigkeit, Intensität, Dauer) erreicht. Diese ist verbunden mit einer deutlichen Verbesserung der depressiven Verstimmungen und Angst unter der Hypnosebehandlung. Bei der Hypnosegruppe fallen die Werte für Häufigkeit, Intensität und Dauer der Kopfschmerzattacken sowie für Angst und depressive Verstimmung kontinuierlich ab. In der Gruppe ohne Hypnose kann ebenfalls eine Besserung v. a. bis zu der Zeit der stationären Behandlung beobachtet werden. Die Werte steigen aber dann wieder an und erreichen fast den Ausgangswert.

Die Patienten in der mit Hypnose behandelten Gruppe zeigten ein erstaunlich hohes Maß an Zufriedenheit. Weiterhin konnte eine hohe Motivation der Patienten festgestellt werden.

Sie führten auch mit großer Überzeugung ihre Selbsthypnose (im Rahmen der Selbsttherapie) durch. Die Patienten lernten während der stationären Behandlung frühe Warnsignale ihres Körpers zu beachten. Ihre Migräne-Kopfschmerzen wurden als “der beste Freund“ gedeutet, dem der Patient z.B. “mitteilt“, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt.

Selbsthypnose als Lebenshilfe und erfolgreiche Therapie

Für die Wahrnehmung von Problemen und zur Problemlösung lernten die Patienten, Selbsthypnose einzusetzen. Dadurch werden die Patienten in einer aktiven Rolle zur Selbstbehandlung (Aktivierung der Selbstheilungskräfte) gefördert. Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass Hypnose insbesondere in der Behandlung von chronischen Migränekopfschmerzen mit häufigen Attackenfrequenzen eine sehr geeignete Therapie darstellt.

M.E.G.A.Phon 9/06, S. 26-27
Autoren:
– S. Moshref Dehkordy , P. Bülau (Westerwaldklinik Waldbreitbach, Schwerpunktklinik Neurologie & Psychosomatik)
– C. Smolenski (Dr. v. Ehrenwallsche Klinik Ahrweiler, Fachklinik für Psychiatrie & Psychotherapie)