Ausgeliefertsein in Hypnose? Teil II

Das Thema „Hypnose“ und insbesondere das Thema „tiefe Hypnose“ mobilisiert viele Ängste, die aus falschen Vorstellungen genährt werden, die in aller Regel aus Showhypnosen oder Filmen resultieren. In einem der letzten Blogposts habe ich an einem Beispiel gezeigt, dass der bewusste Widerstand gegen die Hypnose das Eintreten einer Hypnose verhindert bzw. dass der Hypnotisierte die Wirkung der Suggestionen blockieren kann. Dies war ein Beispiel, dass zeigte, dass das BEWUSSTSEIN eine schützende Funktion ausübt. Heute möchte ich Ihnen an einem interessanten Beispiel zeigen, dass auch das UNTERBEWUSSTSEIN über das Wohl des Hypnotisierten wacht und selbst eine extrem tiefe Hypnose in Bruchteilen einer Sekunde beenden kann.

Das Unterbewusstsein unterbricht die Hypnose in sekundenschnelle

Der Hintergrund: Ein Patient hatte im Rahmen einer Sitzung gelernt, in eine Selbsthypnose zu gehen, die so tief ist, dass die gesamte (Willkür-) Muskulatur abgeschaltet ist. Solange er die Hypnose nicht willentlich (mit Hilfe eines Codewortes) beendet, ist es ihm also auch mit größter Willensanstrengung nicht möglich, auch nur einen Finger zu bewegen. Vor einiger Zeit rief er mich an und teilte mir eine Erfahrung mit, die ihm gezeigt hat, dass in einer Gefahrensituation auch das Unterbewusstsein die Hypnose in Sekundenbruchteilen beenden kann. Er war so nett, diese Erfahrungen aufzuschreiben, um sie mit anderen Menschen zu teilen.

Hier sein Bericht:
„Episode mit der Maus: Ich lege mich bei einer tiefen (Selbst-) Hypnose immer auf den Fußboden. Dabei berühren die Finger den Fußboden. So auch eines Abends. Als ich gerade in die Hypnose gegangen war, zwickte mich etwas in den Mittelfinger der linken Hand, direkt unter dem Fingernagel. Mein erster Gedanke war, dass es sich um ein Insekt handelt. Der zweite, dass es ein elektrischer Schlag verursacht durch den CD-Player war. Ohne dass die Hypnose unterbrochen wurde, entschied der Verstand, dass Gleichstrom von Batterien keinen elektrischen Schlag verursachen kann, und dass es in unseren Breiten keine (gefährlichen) Insekten gibt, die beißen.

Ich konzentrierte mich erneut auf die Hypnose. Nach einigen Minuten, als ich bereits in einem sehr tiefen Stadium war, bemerkte ich, dass mich etwas in den Mittelfinger der linken Hand biss, wiederum direkt unter den Fingernagel. Innerhalb einer Sekunde war ich voll da, und sah zu meinem Erstaunen, dass eine Maus (die vermutlich eine unserer Katzen mit in die Wohnung geschleppt hatte) mich in meiner Bewegungslosigkeit für eine Nahrungsquelle gehalten hatte und mir deshalb den Finger gebissen hatte.

Daraus ergibt sich logischerweise, dass auch während der Hypnose der Verstand nach wie vor aktiv ist. Zweitens: Im Moment einer Gefahr schaltet das Unterbewusstsein in Sekundenbruchteilen die Hypnose aus. Eine bestehende Hypnose ist also kein Risiko in einer wie immer gearteten Gefahrensituation.“

Kein Kontrollverlust
Wie an den beiden Beispielen sehr deutlich wird, kann der Hypnotisierte sowohl bewusst aus der Hypnose aussteigen oder Suggestionen, die seinen Werten, Normen seiner Moral etc. widersprechen, zurückweisen. Darüber hinaus wacht auch das Unterbewusstsein über das Wohl des Hypnotisierten und kann in einer Gefahrensituation selbst eine sehr tiefe Hypnose in Sekundenbruchteilen beenden.

Ein hypnotisierter Mensch ist NICHT bewusstlos. Er hört alles, was gesagt wird und kann bewusst oder auch unbewusst Suggestionen ablehnen, die gegen seine Werte, Normen, Moral, Religion etc. verstoßen. Hypnose ist auch kein Lügendetektor. Der Hypnotisierte entscheidet selbst, welche Informationen er preisgibt und welche nicht. Es ist auch möglich, in Hypnose zu lügen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Hypnotisierter kein Zombie und auch keine ferngesteuerte Maschine ist. Er ist sich jeder Zeit bewusst, was mit ihm geschieht und kann bewusst oder unbewusst „aussteigen“. Für die Therapie bedeutet das, dass ein Therapeut seinen Patienten nicht irgendwo hin ziehen oder schieben kann. Genau wie in jeder anderen Behandlungsform ist die Mitarbeit des Patienten eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.