Patienten mit einer generalisierten Angststörung haben ein generell erhöhtes Angstniveau und leben in einem permanenten Zustand der Angst. Oft sind es diffuse Ängste ohne konkreten Anlass. Sie erleben ihre Sorgen und Ängste als unkontrollierbar und fühlen sich ihnen ausgeliefert. Die Sorgen reihen aneinander wie die Perlen einer Kette und ergreifen vom Denken und Fühlen und von der Befindlichkeit der Betroffenen Besitz. Sie verselbstständigen sich und werden unverhältnismäßig stark.

Menschen mit generalisierter Angststörung grübeln ständig und leben in einem Zustand permanenter Sorgen und in einer ängstlichen Erwartungshaltung. Ihre ständigen negativen Gedanken, ihre unbegründeten Sorgen und Befürchtungen und ihr exzessives Grübeln drehen sich insbesondere darum, dass sie selbst oder jemand aus ihrer Familie lebensbedrohlich erkrankt sein könnte. Darüber hinaus finden sich eine große Anzahl weiterer Sorgen und Vorahnungen, die sich für den Unbetroffenen kaum nachvollziehen lassen. Auch die Auslöser und das Ausmaß der Angst von Patienten mit einer generalisierten Angststörung sind für den Normalbürger nicht nachzuvollziehen.

Die Betroffenen bekommen in alltäglichen Situationen starke Angst und Panik, denn Ängste sind nicht wie bei den Phobien von bestimmten Umgebungsbedingungen und Situationen abhängig, sondern treten durch geringste Ursachen und auch ohne erkennbaren Grund auf. Die Patienten leben unter ständiger Angst und Anspannung, aus denen ein dauerhaft hohes psychisches und körperliches Erregungsniveau resultiert. Geringste Anlässe reichen somit aus, um die permanenten Spannungen in ausgewachsene Ängste umschlagen zu lassen. Angst wird zu ihrem ständigen Begleiter.

Auf dem Nährboden ständiger negativer Gedanken, Gefühle, permanenter Sorgen und Befürchtungen erwachsen Unruhe und nervliche Übererregbarkeit , Reizbarkeit, Ruhelosigkeit und Nervosität sowie zahlreiche permanente psychische und körperliche Spannungszustände. Diese resultieren in Ängsten und psychischen Symptome wie Schwindelgefühle, Unsicherheit, Benommenheit, Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben oder Entfremdungsgefühle (Derealisation und Depersonalisation).

Ängste und psychische Symptome sind jedoch nur ein Teil der Last, die Patienten mit generalisierten Angststörungen zu tragen haben. Sie leiden auch unter permanenten körperliche Beschwerden. Zu den häufigsten Symptomen zählen Nervosität, Zittern, Herzrasen, innere Unruhe, Schwindel, Hitzewallungen, Schwitzen, Benommenheit, Muskelverspannungen, Oberbauchbeschwerden, Spannungskopfschmerz oder auch unspezifischen körperlichen Beschwerden und Schlafstörungen.

Die generalisierte Angststörung führt zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität. Permanente Ängste und zahlreiche körperliche Beschwerden sind sehr Kräfte zehrenden und erlauben kaum, alltägliche Aufgaben zu bewältigen und ein normales Leben zu führen.

Bei generalisierten Ängsten liegt ein größerer psychischer Störungsgrad vor als bei Phobien oder Panikstörungen. Die Behandlung ist auch dementsprechend aufwendiger. Bei der generalisierten Angststörung spielen vor allem verdrängte traumatische Erfahrungen und unbewusste Konflikte eine wichtige Rolle.

Die größte Sorge der meisten Menschen mit generalisierter Angststörung ist die Angst, an einer tödlichen Erkrankung zu leiden. Sie geben sich aufgrund ihrer körperlichen Beschwerden in ärztliche Behandlung. Die wichtigste psychologische Maßnahme des Arztes besteht darin, den Patienten zu versichern, dass sie an keiner tödlichen Krankheit leiden. Darüber hinaus soll eine Bereitschaft erreicht werden, an einer Psychotherapie teilzunehmen, denn die medikamentöse Behandlung lindert nur die Symptome, behandelt aber nicht die Ursachen. Entspannungsmethoden können helfen, die permanente Anspannung und Nervosität und damit auch die daraus resultierenden psychischen und körperlichen Beschwerden zu vermindern. Eine ursachenorientierte Behandlung ist jedoch nur im Rahmen einer psychologischen Therapie möglich.

Die meisten Patienten mit einer generalisierten Angststörung werden medizinisch behandelt, obwohl sie eher psychologisch Behandelt werden müssten. Das liegt vor allem daran, dass sie in aller Regel wegen ihrer Nervosität und ihrer körperlichen Beschwerden zum Hausarzt gehen. Sie verschweigen meist, dass sie ständig grübeln und sich Sorgen machen, so dass die Behandlung häufig rein symptomorientiert erfolgt und die Angststörung nicht oder erst nach vielen Jahren erkannt wird.