Ausgeliefert in Hypnose? Teil I

Das Thema „Hypnose“ und insbesondere das Thema „tiefe Hypnose“ mobilisiert viele Ängste, die aus falschen Vorstellungen genährt werden, die in aller Regel aus Showhypnosen, aus Büchern oder Filmen resultieren. Im letzten Newsletter hatte ich auf das Video zum Thema „Gedächtnis“ hingewiesen, in dem nicht nur die Fähigkeit des Gehirns demonstriert wird, in erstaunlicher Weise das Gedächtnis zu beeinflussen, sondern in dem mit dem Vorurteil aufgeräumt wird, der Hypnotisierte sei nicht bei Bewusstsein.

Hier ein anderes Beispiel. Vor einigen Monaten führte ich bei Passanten der Innenstadt eine so genannte „Straßenhypnose“ durch. Die Passanten wurden angesprochen, und gefragt, ob sie eine Hypnose erleben möchten. Der Nutzen für die Freiwilligen bestand darin, dass ihnen positive Suggestionen zu einem Bereich ihres Lebens gegeben wurden, in dem Sie Verbesserungen wünschten. Der Nutzen für mich bestand darin, meine Fähigkeiten zur Schnellhypnose an Menschen zu erproben, die ich nicht kannte, und die mich nicht kannten. Ich führte insgesamt 13 Hypnosen durch. Zwölf der dreizehn Freiwilligen gingen sehr schnell (wenige Sekunden bis wenige Minuten) in eine mittlere bis tiefe Hypnose. (Die Hypnosetiefe wurde mit Hilfe von Tests geprüft.) Bei einem der 13 Freiwilligen war nur eine leichte Trance in der Kürze der Zeit erzielbar.

Nachdem ich einen Freiwilligen hypnotisiert hatte, wurde ich von einem ausländischen Bürger angesprochen, ob ich mit ihm auch eine Hypnose durchführen könnte. Als ich ihn fragte, was er denn Positives erreichen wolle, konnte er mir keine rechte Antwort geben. Dennoch wollte er unbedingt hypnotisiert werden. Ich stimmte zu und wir führten ebenfalls eine Schnellinduktion durch (eine Methode zur schnellen Einleitung einer Hypnose). Er ging auch sofort in einen Trancezustand. Auf die Suggestion, dass er die Augen nicht öffnen könne, gelang es ihm nicht, obwohl er es angestrengt versuchte. Gleich darauf wurde der Armtest durchgeführt (sie sehen ihn in nahezu allen meinen Videos). Dieser Test misslang. Ich hatte den Eindruck, dass sich der betreffende Freiwillige innerlich gegen die Hypnose wehrte, obwohl er verbal beteuert hatte, dass er unbedingt hypnotisiert werden wollte. Ich unterbrach die Hypnose und teilte ihm mit, dass für den Erfolg eine Zusammenarbeit erforderlich sei. Daraufhin versetzte ich ihn erneut in die Hypnose. Zu meinem Erstaunen konnte er jetzt trotz einer gegenteiligen Suggestion sogar die Augen öffnen.

Ich beendete die Hypnose und teilte ihm mit, dass ich keinen Sinn darin sehe, weiterzumachen, da ich den ganz starken Eindruck habe, dass er sich innerlich dagegen wehrt und dass Hypnose so nicht funktioniere. Ich erwartete eine enttäuschte Reaktion, aber er schien sehr zufrieden mit dem Ergebnis zu sein. Er erklärte mir auch, warum. In seiner Religion wäre es gegenwärtig ein aktuelles Thema, ob man gegen seinen Willen beeinflussbar sei, z.B. durch Hypnose. Der zweithöchste Religionsführer hätte erklärt, wenn er sich die Hände wasche und dann sein Gebet spreche, sei er vor jeder Manipulation geschützt. Er (der Hypnosefreiwillige) habe beobachtet, dass ich Hypnosen durchführe und wollte den Schutz durch seinen Glauben testen. Deshalb habe auch er sich die Hände gewaschen (er erklärte, das sei ein wichtiger Teil des Rituals) und sein Gebet gesprochen und mich dann gebeten ihn zu hypnotisieren. Mit dem Ergebnis sei er sehr zufrieden, denn jetzt wisse er, dass ihn niemand gegen seinen Willen hypnotisieren könne.

Das hätte ich ihm auch vorab sagen können, aber offensichtlich war es für ihn (und seine anwesenden Landsleute) eine wichtige Erfahrung. Und ich habe eine kleine Geschichte, die sehr schön illustriert, dass Hypnose Kooperation erfordert und dass der andere aus der Hypnose aussteigen kann, selbst wenn er nachgewiesenermaßen in einer Trance war.

Dieses Beispiel zeigt, dass ein Hypnotisierter durch eine bewusste Entscheidung die Hypnose verwehren oder jeder Zeit „aussteigen“ kann. Im nächsten Newsletter werde ich ein Beispiel bringen, aus dem ganz klar erkennbar wird, dass auch das Unterbewusstsein bei Gefahr den Zustand der Hypnose in Sekundenbruchteilen beenden kann, selbst wenn es sich um eine extrem tiefe Hypnose handelt, in der sich der betreffende selbst mit äußerster Willensanstrengung nicht bewegen kann.

Ausgeliefert in Hypnose? Teil II

Das Thema „Hypnose“ und insbesondere das Thema „tiefe Hypnose“ mobilisiert viele Ängste, die aus falschen Vorstellungen genährt werden, die in aller Regel aus Showhypnosen oder Filmen resultieren. Im August-Newsletter habe ich an einem Beispiel gezeigt, dass der bewusste Widerstand gegen die Hypnose das Eintreten einer Hypnose verhindern bzw. dass der Hypnotisierte die Wirkung der Suggestionen blockieren kann. Dies war ein Beispiel, das zeigte, dass das BEWUSSTSEIN eine schützende Funktion ausübt. Heute möchte ich Ihnen an einem interessanten Beispiel zeigen, dass auch das UNTERBEWUSSTSEIN über das Wohl des Hypnotisierten wacht und selbst eine extrem tiefe Hypnose in Bruchteilen einer Sekunde beenden kann.

Der Hintergrund: Ein Patient hatte im Rahmen einer Sitzung gelernt, in eine Selbsthypnose zu gehen, die so tief ist, dass die gesamte (Willkür-)Muskulatur abgeschaltet ist. Solange er die Hypnose nicht willentlich (mit Hilfe eines Codewortes) beendet, ist es ihm also auch mit größter Willensanstrengung nicht möglich, auch nur einen Finger zu bewegen. Vor einiger Zeit rief er mich an und teilte mir eine Erfahrung mit, die ihm gezeigt hat, dass in einer Gefahrensituation auch das Unterbewusstsein die Hypnose in Sekundenbruchteilen beenden kann. Er war so nett, diese Erfahrungen aufzuschreiben, um sie mit anderen Menschen zu teilen. Hier sein Bericht:

„Episode mit der Maus: Ich lege mich bei einer tiefen (Selbst)Hypnose immer auf den Fußboden. Dabei berühren die Finger den Fußboden. So auch eines Abends. Als ich gerade in die Hypnose gegangen war, zwickte mich etwas in den Mittelfinger der linken Hand, direkt unter dem Fingernagel. Mein erster Gedanke war, dass es sich um ein Insekt handelt. Der zweite, dass es ein elektrischer Schlag verursacht durch den CD-Player war. Ohne dass die Hypnose unterbrochen wurde, entschied der Verstand, dass Gleichstrom von Batterien keinen elektrischen Schlag verursachen kann, und dass es in unseren Breiten keine (gefährlichen) Insekten gibt, die beißen.

Ich konzentrierte mich erneut auf die Hypnose. Nach einigen Minuten, als ich bereits in einem sehr tiefen Stadium war, bemerkte ich, dass mich etwas in den Mittelfinger der linken Hand biss, wiederum direkt unter den Fingernagel. Innerhalb einer Sekunde war ich voll da, und sah zu meinem Erstaunen, dass eine Maus (die vermutlich eine unserer Katzen mit in die Wohnung geschleppt hatte) mich in meiner Bewegungslosigkeit für eine Nahrungsquelle gehalten hatte und mir deshalb in den Finger gebissen hatte.

Daraus ergibt sich logischerweise, dass auch während der Hypnose der Verstand nach wie vor aktiv ist. Zweitens: Im Moment einer Gefahr schaltet das Unterbewusstsein in Sekundenbruchteilen die Hypnose aus. Eine bestehende Hypnose ist also kein Risiko in einer wie auch immer gearteten Gefahrensituation.“

Wie an den beiden Beispielen sehr deutlich wird, kann der Hypnotisierte sowohl bewusst aus der Hypnose aussteigen oder Suggestionen, die seinen Werten, Normen seiner Moral etc. widersprechen, zurückweisen. Darüber hinaus wacht auch das Unterbewusstsein über das Wohl des Hypnotisierten und kann in einer Gefahrensituation selbst eine sehr tiefe Hypnose in Sekundenbruchteilen beenden.

Ein hypnotisierter Mensch ist NICHT bewusstlos. Er hört alles, was gesagt wird und kann bewusst oder auch unbewusst Suggestionen ablehnen, die gegen seine Werte, Normen, Moral, Religion etc. verstoßen. Hypnose ist auch kein Lügendetektor. Der Hypnotisierte entscheidet selbst, welche Informationen er preisgibt und welche nicht. Es ist auch möglich, in Hypnose zu lügen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Hypnotisierter kein Zombie und auch keine ferngesteuerte Maschine ist. Er ist sich jeder Zeit bewusst, was mit ihm geschieht und kann bewusst oder unbewusst „aussteigen“. Für die Therapie bedeutet das, dass ein Therapeut seinen Patienten nicht irgendwo hin ziehen oder schieben kann. Genau wie in jeder anderen Behandlungsform ist die Mitarbeit des Patienten eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg.

Kriminell durch Hypnose?

Das Thema, ob der Hypnotisierte bewusstlos ist und somit missbraucht, benutzt oder zu kriminellen Handlungen angestiftet werden kann, beschäftigt immer und immer wieder die Gemüter.

Unlängst rief mich eine Patientin an, die mein Seminar „Aktivierung der Selbstheilungskräfte“ besuchte und später einen Termin für eine Sitzung vereinbart hatte. Sie war sehr irritiert, und zögerlich, ob sie die Sitzung wahrnehmen sollte oder nicht. Was war der Anlass? Sie hatte eine Fernsehsendung mit einem prominenten Showhypnotiseur gesehen, in der dieser Hypnose demonstrierte. Als der Moderator ihn fragte, ob die Hypnotisierten bei Bewusstsein gewesen wären, hätte er „nein“ geantwortet. Auf die Frage, ob man einen Hypnotisierten (der entsprechend dieser Aussage ja nicht bewusst sei und nicht wisse, was er tue) dazu bringen könne, ein Verbrechen zu begehen, hätte der Hypnotiseur geantwortet, dass dies möglich sei.

Ich selbst habe diese Sendung nicht gesehen und kann nicht beurteilen, ob sich alles genau so zugetragen hat, wie beschrieben oder ob es eine eher subjektive Schilderung war. Aber genau darum geht es. Was bewirken derartige Aussagen bei den Zuschauern?

Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass ich der Bühnenhypnose nicht generell ablehnend gegenüberstehe. Nach meinem Verständnis trägt sie in einem hohen Maße dazu bei, auf die Hypnose aufmerksam zu machen und die Kraft der Hypnose zu demonstrieren. Das halte ich für ein wichtiges Verdienst der Bühnenhypnose. Ich selbst führe bei Seminaren oder Vorträgen auch häufig eine Hypnose mit einem oder mehreren Teilnehmern durch, um die Kraft der Hypnose zu demonstrieren und über die Möglichkeiten zu informieren, wie diese Möglichkeiten sehr Frucht bringend therapeutisch eingesetzt werden können.

Es gibt aber auch eine Schattenseite der Showhypnose. Diese besteht in dem Wesen einer derartigen Veranstaltung, nämlich in Unterhaltung und Show. Ein Showhypnotiseur hat naturgemäß andere Ziele als ein Hypnosetherapeut. Es geht ihm um Unterhaltung, Spannung, Gänsehaut und auch ein wenig Mystik. Wenn ein Showhypnotiseur ähnlich einem Therapeuten sagen würde „Ich habe keine Kraft über die Menschen, ich kann nur helfen, das hervorzubringen, wozu diese bereit sind“, dann wäre das knisternde Element, dass sowohl der Showhypnotiseur als auch der Fernsehsender wünschen, „entzaubert“. Es wird also ganz bewusst der Eindruck vermittelt, der Hypnotisierte sei nicht bei Bewusstsein und könne auch zu kriminellen Handlungen angestiftet werden. Das regt natürlich die Phantasie der Zuschauer enorm an, was aus dramaturgischer Sicht natürlich gewollt ist.

Das Problem besteht jedoch darin, dass die Zuschauer häufig Angst vor der Hypnose bekommen. Das bedeutet, dass sie eine der wirksamsten Heilmethoden überhaupt gar nicht für sich in Erwägung ziehen. Wenn sie sich doch für eine Hypnosetherapie entscheiden sollten, sind sie oft dermaßen mit Angst und Vorurteilen beladen, dass sie sich gar nicht auf die Hypnose einlassen können. Statt mit der Therapie zu beginnen, muss der Hypnosetherapeut erst ausführlich aufklären, Ängste nehmen und falsche Vorstellungen richtig stellen.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf frühere Newsletter (Nr. 4 und Nr. 6, siehe Newsletter-Archiv) hinweisen, in denen dargestellt wurde, warum der Hypnotisierte in der Hypnose NICHT ausgeliefert ist. Wie Sie anhand der Beispiele nachvollziehen konnten, kann der Hypnotisierte – der ja NICHT bewusstlos ist – unerwünschte Suggestionen ablehnen. Er kann auch aus der Hypnose aussteigen. In Gefahrensituationen kann aber auch das Unterbewusstsein selbst die tiefste Hypnose in Sekundenbruchteilen beenden.

Sie wollen nicht nur Worte, Sie wollen einen sichtbaren Beweis? Dann schauen Sie sich bitte mein Video „Powergedächtnis mit Hypnose“ an. Hier wird u. a. eine Möglichkeit gezeigt, wie der Showhypnotiseur den Eindruck vermitteln kann, der Hypnotisierte sei bewusstlos. Gleichzeitig wird demonstriert, das dies eben NICHT der Fall ist. Hier der Link zum Hypnosevideo.

Nun zu Frage der Kriminalität. Es gilt seit vielen Jahrzehnten als wissenschaftlich nachgewiesen, dass auch im tiefsten Trancezustand lediglich solche Suggestionen befolgt werden, die im Einklang mit dem Wertesystem einer Person stehen. Suggestionen, die persönlichkeitsfremd sind, werden nicht ausgeführt. Durch Hypnose kann niemand dazu gebracht werden, seine inneren Werte zuwider zu handeln. In Hypnose werden Sie nichts tun, was Sie nicht auch ohne Hypnose tun würden.

Milton Erickson, einer der besten und berühmtesten Hypnosetherapeuten aller Zeiten, führte mehr als 800 Experimente durch, um zu sehen, ob seine am leichtesten zu hypnotisierenden Patienten Suggestionen akzeptierten und ausführten, die darauf abzielten, kriminelles, unmoralisches, antisoziales oder selbstdestruktives Verhalten zu erzeugen. Er berichtete, dass es ihm in keinem einzigen Fall gelungen ist.

Wenn Hypnose für gefährliche Zwecke missbraucht werden könnte, würde die Anwendung dieser Methode auch rechtlichen Einschränkungen unterliegen. Der Grund, warum das nicht der Fall ist, liegt darin, dass es nicht einen dokumentierten Fall des Missbrauches gegeben hat. In einem Gerichtsprozess gegen einen prominenten Showhypnotiseur in England wurde diese Fragestellung noch einmal ausgiebig untersucht. Sämtliche Gutachter kamen zu dem Schluss, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass Hypnose missbraucht werden kann.

Lassen Sie sich durch sensationsorientierte Medien nicht von dem Sachverhalt ablenken, dass Sie die Hypnose wie auch die Selbsthypnose nutzen, um Ihre Ziele wesentlich leichter und effektiver zu erreichen. Eine dieser Möglichkeiten wird im nachfolgenden Artikel beschrieben und in dem Video (s. dort) demonstriert. Die Anwendung von Hypnose und Selbsthypnose kann Sie auf eine spannende Reise bringen. Eine Reise zu Zielen, die Sie bisher für unerreichbar hielten.