Die Panikstörung ist nach der Agoraphobie die häufigste Angststörung an der etwa vier Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens erkranken. Das wesentliche Kennzeichen einer Panikstörung sind wiederkehrende intensive Panikattacken. Charakteristisch für Panikattacken ist, dass sie nicht vorhersagbar sind und sich auch nicht auf spezifische Situationen eingrenzen lassen. Sie treten plötzlich und anfallsartig auf, wie aus heiterem Himmel, ohne dass eine objektive Gefahr besteht. Der Körper reagiert aber wie in einer realen Fluch- oder Kampf-Situation mit einer blitzschnellen Adrenalin-Ausschüttung und einer extremen körperlichen und psychischen Angstreaktion, die von Betroffenen als extreme Bedrohung ihrer Gesundheit erlebt werden.

Panikattacken beginnen plötzlich und völlig unerwartet. Sie dauert einige Minuten (selten länger als 30 Minuten) und erreicht innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt. Die häufigsten körperlichen Symptome sind Engegefühle in der Brust, Herzrasen, Herzschmerzen, Atemnot, Schweißausbrüche, Übelkeit, Zittern und Taubheitsgefühle. Als psychische Symptome treten Schwindelgefühle, Angst vor Kontrollverlust, Angst, in Ohnmacht zu fallen oder zu ersticken, und Todesangst auf sowie das Gefühl, auf unsicheren Beinen zu stehen und der Eindruck, alles sei unwirklich (Depersonalisation, Derealisation). Die Symptome sind so heftig, dass Betroffene sie als lebensgefährlich erleben und Angst haben, einen Herzinfarkt zu bekommen und zu sterben. Manche Patienten bekommen den Eindruck, verrückt zu werden, weil sie unter körperlichen Beschwerden leiden, aber kein Arzt etwas finden kann.

Weil Panikattacken oft als unerträglicher lebensbedrohlicher Zustand erlebt werden, entwickelndie Betroffenen eine starke Angst vor solchen Panikattacken und beginnen, Situationen zu meiden, in denen sie nicht schnell entfliehen und auch keine rasche Hilfe bekommen können. Zusätzlich zur Panikstörung entwickelt sich eine Agoraphobie. Dementsprechend unterscheidet man zwei Arten von Panikstörungen: Panikstörungen ohne Agoraphobie und Panikstörungen mit Agoraphobie.

Panikattacken mit Agoraphobie bezeichnet die Angst, in Situationen zu sein, die man nur schwer oder gar nicht verlassen kann und wo im Falle einer plötzlich auftretenden Erkrankung oder Panikattacke keine schnelle Hilfe verfügbar sein könnte. Diese Orte werden gemieden. Es kommt zu einer zunehmenden Einschränkung der Lebensqualität (s. a. Kapitel „Agoraphobie“) und häufig auch zur Einnahme von Suchtmitteln wie Psychopharmaka, Alkohol oder Drogen, um die Ängste zu lindern.

Panikattacken, die aufgrund der massiven körperlichen Symptome Todesängste auslösen, sind so traumatisch, dass Betroffene sich zunehmend ängstlich beobachten, ob sich wieder eine Panikattacke anbahnt, an der sie beim nächsten Mal sterben könnten. Sie horchen ständig in sich hinein. Geringste Symptome werden als Anzeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder der nächsten sich anbahnenden Panikattacke gedeutet. Sie verlieren das Vertrauen in den eigenen Körper und benötigen deshalb sie auch immer wieder die Bestätigung von Ärzten, dass sie organisch gesund sind und ihnen nichts passieren kann. Die ängstliche Beobachtung verstärkt die geistige und körperliche Anspannung und damit auch die körperlichen Angstreaktionen, die wieder als erste Anzeichen für eine beginnende Panikattacke interpretiert werden. Dies verstärkt erneut die Angst, ein Teufelskreis aus dem die Betroffenen nur schwer ausbrechen können.

Von einer Panikstörung wird gesprochen, wenn die Panikattacken mehrmals monatlich auftreten, wenn sich eine Erwartungangst (Angst vor der Angst) entwickelt, diese über einen Zeitraum von mindestens einen Monat anhält und dies zu Beeinträchtigungen im täglichen Leben führt. Menschen, die unter Panikattacken leiden, werden meist jahrelang mit Medikamenten behandelt, die jedoch die Ursachen der Panikstörung nicht beheben.