Traumata können durch einfache Technik behandelt werden

Die ursprüngliche Überschrift lautete “Angstzustände könnten durch einfache Technik behandelt werden”. Warum ich diese Überschrift geändert habe, lesen Sie weiter unten. Zunächst erst einmal zum Inhalt der Studie.

Eine einfache Technik kann helfen, Traumata zu  löschen

Wenn eine Angst auslösende Erinnerung ins Gedächtnis gerufen und  direkt anschließend noch einmal mit einem Sicherheitsgefühl gekoppelt wird,  überschreibt die neue Erinnerungs-Emotion die alte. Das haben US- Forscher jetzt bei Freiwilligen nachgewiesen, nachdem sie zuvor dieses Prinzip an Ratten nachgewiesen hatten. (*) Entscheidend dabei ist das  Timing der Neuverknüpfung, denn sie muss innerhalb eines bestimmten Zeitfensters nach dem wieder Aufrufen der Erinnerung stattfinden. Andernfalls wird die Angst lediglich unterdrückt und nicht gelöscht. Wenn die neue Verbindung aber innerhalb des  richtigen Zeitfensters gelingt, hält der Effekt mindestens ein Jahr an, wie Daniela Schiller und Kollegen von der Universität von New York berichtet.

Die moderne Hirnforschung geht nicht mehr davon aus,  dass Erinnerungen fest im Hirn verankert sind. Sie werden vielmehr in einem dynamischen Prozess immer wieder hervorgeholt und neu abgespeichert. Auf dieser Erkenntnis basiert auch eine Behandlungsmethode bei Angstzuständen  beziehungsweise traumatischen Erinnerungen, die so genannte Extinktion. Mit Hilfe dieser Methode wird ein  Prozess in Gang gesetzt, bei dem der Patient lernt, mit der Angst auslösenden  Situation umzugehen. Er wird so lange in einer sicheren Umgebung damit  konfrontiert, bis sich die Ängste mildern. Danach verschwindet die Angst für einige  Zeit, Stress kann sie jedoch wieder auslösen. In ihrer aktuellen Studie fanden die  Forscher nun heraus, dass sich die Wirkung dieses Ansatzes verbessert, wenn  die Erinnerung zunächst angeregt wird.

Hypnose leistet was Naturwissenschaftler empfehlen

Was die moderne Hirnforschung nun nachweist ist seit Jahrzehnten Behandlungspraxis der Hypnose. Viele tausend traumatisierte Vietnam- Veteranen wurden mit Hilfe dieses Prinzips innerhalb kürzester Zeit von Ihren Kriegstraumatisierungen geheilt. Der Vorteil der Hypnose besteht u. a. darin, dass die Erinnerungen sehr viel lebendiger ins Bewusstsein gerufen werden, wodurch die Behandlung besonders effektiv wird.

Die Hypnose bietet jedoch noch eine sehr viel sanftere Möglichkeit der Behandlung von Traumata an, die nicht den Charakter einer Rosskur hat. Dabei werden dem Patienten in Hypnose wichtige Einsichten vermittelt, die ihm die Angst nehmen, während er die traumatische Situation nun noch einmal durchlebt. Wie in der Studie beschrieben wird die Trauma-Situation nun mit den “neuen” Gefühlen wie Sicherheit und Geborgenheit im Nervensystem abgespeichert. Das Trauma ist geheilt. Langfristig und dauerhaft.

Eine kritische Bemerkung habe ich jedoch zu der zitierten Studie zu machen. Dort werden Traumata und Angst in einen Topf geworfen. Nach meiner langjährigen Erfahrung mit der Behandlung von Traumatisierungen und von Angstzuständen zeigt, dass beide Störungsbilder UNTERSCHIEDLICH zu behandeln sind. Angst auf der Grundlage von Traumatisierungen kann sehr gut mit der beschriebenen Methode gelöscht werden. Bei Angst sieht die Sache jedoch oft ganz anders aus. Angstzustände sind häufig Ausdruck inner Konflikte oder belastender Emotionen aus zurückliegenden Ereignissen. Die reine Konfrontation mit der Angst auslösenden Situation bewirkt in diesen Fällen zwar, dass die Patienten Angst haben, aber nicht immer, dass die Ängste auch gelöscht werden. Dazu ist es nach meiner Erfahrung erforderlich, den zugrunde liegenden Konflikt bzw. die zugrunde liegenden unbewältigten Situationen bewusst zu machen und zu lösen. Die URSACHE der Angstzustände oder Panikattacken ist damit gelöst und es gibt keine Panik mehr im Nervensystem, die in einer anderen Situation ausgelöst werden kann.

(*) Daniela Schiller (Universität von New York) et al.: Nature, doi: 10.1038/nature08637, zitiert nach ddp/wissenschaft.de – Jessica von Ahn

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