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Wunderdroge Melatonin - Fügt das Sandmännchen-Hormon unseren Kindern Schaden zu?

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Mai 15, 2015
Christian Endres

Wunderdroge Melatonin – Fügt das Sandmännchen-Hormon unseren Kindern Schaden zu?

Melatonin ist ein natürliches Hormon. Vielleicht wird genau deswegen angenommen, dass es nicht nur als Schlafmittel dienen, sondern auch ohne jegliche Nebenwirkungen das Leben verlängern und Krebs heilen kann. Diese Vermutungen sind nicht nur wissenschaftlich unhaltbar, sondern vielleicht sogar gefährlich. Kürzlich durchgeführte Studien1 lassen vermuten, dass Melatonin, langfristig eingenommen, ernsthafte Konsequenzen nach sich zieht. Besonders Kindern könnte die „Wunderdroge“ zum Verhängnis werden.

Synthetisch hergestelltes Melatonin für Kinder offiziell nicht zugelassen

Das Hormon Melatonin ist in unserem Körper für den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig. Es wird bei Dunkelheit von der körpereigenen Zirbeldrüse ausgeschüttet, während Licht die Produktion des Botenstoffes hemmt. Dadurch, dass unser Blut das Hormon zu jeder Körperzelle bringt, werden wir müde. In den Vereinigten Staaten kann synthetisch hergestelltes Melatonin rezeptfrei erworben, in Europa allerdings nur auf Rezept in der Apotheke gekauft werden.

Zugelassen ist es für Menschen ab 55 Jahren, die unter Schlafproblemen leiden. Mit Einverständnis der Eltern kommt es aber auch bei Kindern zur Verordnung außerhalb der Zulassung, dem sogenannten „Off-Label-Use“. Forscher der Universität Adelaide warnen jedoch vor einem solchen Vorgehen, denn es liegen keine Erkenntnisse zur Unbedenklichkeit der Einnahme von Melatonin bei Kindern und Jugendlichen vor.

Erschreckende Forschungsergebnisse

Eine lange Forschungsgeschichte an Tieren zeigt, dass Melatonin erhebliche Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane von Nagetieren, Katzen, Wiederkäuern und Primaten hat. In der Tat ist Melatonin sogar ein in diesem Bereich für Tiere registriertes Behandlungsmittel. Es verhindert sexuelle Reifungsprozesse und senkt insgesamt den Stoffwechsel. Tendenziell kann die langfristige Wirkung bei Menschen sogar über die hier beschriebenen Aspekte hinausgehen. Die Forscher der australischen Universität nannten vor allem Herz-Kreislauf, Immun- und Stoffwechselsysteme, die beeinflusst werden könnten.

Die Verschreibung von Melatonin für Kinder, egal ob diese körperlich beeinträchtigt oder völlig gesund sind, sollte daher erst nach der biochemischen Diagnose einer zugrundeliegenden Schlafstörung in Betracht gezogen werden. Außerdem sollten die Eltern des Kindes auf die fehlenden Studien zur Langzeitwirkung, sowie auf die Aspekte aufmerksam gemacht werden, die bei den Studien an Tieren zu Tage traten. Sollten bei Kindern, die mit Melatonin behandelt wurden, endokrine oder andere Anomalien auftreten, ist dies jedenfalls kein Grund zur Verwunderung, stellen die australischen Forscher fest.

Unbedenkliche Alternativen

Kerngesunde Menschen sollten von der Einnahme des Hormons absehen. Wollen Sie Ihre Schlafqualität verbessern? Dann versuchen Sie es doch einmal mit einer verbesserten Schlafhygiene, oder einfacher und entspannender Selbsthypnose. Bei Ihrem Kind sollten Sie besonders auf feste Zubettgeh-Rituale und tägliche körperliche Auslastung achten. Schläft es am Abend schlecht ein, muss eventuell der Mittagsschlaf verkürzt werden. Führen Sie ein Schlaf-Tagebuch und finden Sie heraus, wie Sie Mittags- und Nachtschlaf bei Ihrem Kleinen individuell aufeinander abstimmen können. Zur Chemiekeule sollten Sie erst dann greifen, wenn alle anderen Maßnahmen erschöpft sind und Ihr Arzt Ihnen ausdrücklich dazu rät.

 

1 Kennaway, D.J., (2015). Potential safety issues in the use of the hormone melatonin in paediatrics. Aus dem Journal of Peadiatrics and Child Health. Robinson Research Institute and School of Paediatrics and Reproductive Health, Medical School, University of Adelaide, Adelaide, South Australia, Australia. Paediatrics and Child Health Division (Royal Australasian College of Physicians). doi: 10.111/jpc.12840

Abgerufen von: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jpc.12840/epdf , 05.05.2015

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