Schlafen bis der Arzt kommt – Erhöhtes Schlaganfallrisiko bei zu viel Bettruhe

Dass zu wenig Schlaf schädlich ist, ist allgemein bekannt. Man fühlt sich schlapp, unmotiviert und kann nicht die Leistung bringen, die man normalerweise von sich selbst gewohnt ist. Längerfristig kann Schlafmangel sogar zu einem erhöhten Krankheitsrisiko führen und die eigene Lebensqualität erheblich und dauerhaft beeinflussen. Doch eine aktuelle Studie1 zeigt: Auch zu viel Schlaf kann bedenklich sein! Wer länger als acht Stunden schläft, läuft mit höherer Wahrscheinlichkeit Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Aber wie viel Schlaf ist noch gesund?

Besonders Frauen sind gefährdet

Im Zuge der genannten Studie wurden die Daten von mehr als 9.600 Teilnehmern untersucht und verglichen. Bei den Beteiligten, die angaben mehr als acht Stunden pro Tag zu schlafen, wurde eine signifikant höhere Gefahr festgestellt, einen Schlaganfall zu erleiden. Als am meisten gefährdet erwies sich die Probandengruppe, deren Schlafdauer mit der Zeit zugenommen hatte – diejenigen also, die sich innerhalb des Untersuchungszeitraums von Kurz- oder Normalschläfern zu Langschläfern entwickelt hatten. Besonders bei Frauen stieg das Schlaganfall-Risiko immens, nämlich um 80 Prozent.

Von Langschläfern und Kurzschläfern

Langer Schlaf muss aber nicht der Auslöser für das erhöhte Schlaganfallrisiko sein, sondern stellt aller Wahrscheinlichkeit nach eher ein Symptom dar – beispielsweise für Gefäßprobleme. Nachweislich2 ist zu viel Schlummer aber ein bedenklicheres Alarmsignal als zu wenig. Es konnte festgehalten werden, dass die Zahl der Todesfälle bei Menschen, die weniger als sechs Stunden schlafen, wesentlich höher ist als die Zahl derer, die zwischen sechs und acht Stunden schlafen. Die Langschläfer, mit mehr als acht Stunden Bettruhe, hatten im Vergleich zu den Normalschläfern eine um 30 Prozent höhere Sterberate. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es beiden Randgruppen erheblich schlechter erging als den Normalschläfern.

Erholsam schlafen – aber wie?

Infolgedessen stellt sich die Frage, wie man agieren sollte, um den eigenen Schlaf möglichst gesund und erholsam zu gestalten. Wichtig ist: entgegen der weit verbreiteten Meinung „viel hilft viel“ ist nicht die Schlafdauer, sondern die Schlafqualität von entscheidender Bedeutung. Um richtig gut schlafen zu können, muss das „Betriebssystem Körper“ standesgemäß heruntergefahren werden. Am besten ist es, wenn Sie abends wirklich körperlich müde sind – beispielsweise durch Sport nach dem Feierabend. Außerdem sollten Sie auf eine ausreichende Schlafhygiene achten. Fettiges Essen am Abend, übertriebener Alkoholgenuss oder „die Arbeit mit ins Bett nehmen“ sind Tabu.

Doch nicht nur ein gesunder Nachtschlaf kann dazu beitragen, Sie gesünder und aktiver zu machen. Auch das sogenannte „Powernapping“ kann helfen, die Stimmung zu heben und Fehleranfälligkeit zu verringern. Hierfür brauchen Sie nicht einmal ein Bett. Lehnen Sie sich zurück, atmen Sie tief durch und widmen Sie sich für fünf oder zehn Minuten der reinen Entspannung. Hilfreich und effektiv kann hierfür auch die Anwendung von Selbsthypnose oder anderen Entspannungstechniken sein.

1 Yue Leng, MPhil; Francesco P. Cappuccio, MD; Nick W.J. Wainwright, PhD; Paul G. Surtees, PhD; Robert Luben, MSc; Carol Brayne, MD; Kay-Tee Khaw, MD. Sleep duration and risk of fatal and nonfatal stroke – a prospective study and meta-analysis. Abgerufen von: http://www.neurology.org/content/early/2015/02/25/WNL.0000000000001371.full.pdf+html , 08.04.2015

2 Cappuccio F.P., Cooper D., D’Elia L., Strazzullo P. & Miller M.A. Sleep duration predicts cardiovascular outcomes: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. Abgerufen von http://www2.warwick.ac.uk/fac/med/research/mhwellbeing/sleep/sleep_and_cvd.pdf , 08.04.2015